Liverpool F.C. – Brighton & Hove Albion F.C. – 3:0

Liverpool F.C. – Brighton & Hove Albion F.C. – 3:0

„ZIELE HAT MAN VIELE…“

14.02.2026
FA Cup
Anfield Road
Zuschauer: 60.227

LIVERPOOL – Für die 3. FA-Cup-Runde wurde blindlings ein Flug nach Manchester gebucht. Ziel war das Pokalspiel abends an der Anfield Road. Aber Ziele hat man viele, eventuell würde es nicht klappen mit einer Karte für Liverpool. Für den Fall blieb immerhin noch ein Liga-Spiel am Nachmittag in und um Manchester. Das League-Two-Spiel bei den Tranmere Rovers auf der anderen Merseyside wurde dann auch finalisiert – und war ein schöner Zeitvertreib bis zum Abend.

Für ein Spiel in Anfield musste man irgendwie in den erlauchten Kreis der Mitglieder hineinstoßen und auf die Güte der Liverpudlians hoffen. Nachdem auch hier schnell klar war, dass alle Karten für das Spiel schon in der „Premium-Membership-Phase“ über den Tisch gingen, gab es die realexistierende Möglichkeit, dass das Vorhaben scheitern würde. Alternativ hätte man 300£ für ein Hospitality-Package auf den Tisch legen können. Aber das ist natürlich witzlos und selbst diese VIP-Tickets gehen nur an Mitglieder raus. Jetzt müsste schon einer aus der Riege der Ticketkäufer unpässlich werden und mein Kontakt an mich denken. Und Jimmy dachte an mich! Etwa 10 Tage vor dem Spiel hieß es: Anfield Road and me at Valentine’s Day – it’s a match!

Für 40£ erhielt ich die Garantie mit einem Barcode auf einem fremden Handy den legendären Ground zu betreten. Vorher musste noch ein Rückflug gebucht werden. Das war schwieriger als gedacht. Irgendwann erfuhr man auch den Grund für die teilweise horrenden Flugpreise: Bank holiday. Winterferienbeginn in England. Den Rückflug nach Berlin, zur Hinflug-Destination, konnte man knicken. Der wäre noch teurer als das VIP-Ticket für Liverpool gewesen. Schlussendlich fiel die Wahl auf einen Flug von Heathrow nach Düsseldorf, für einen gerade noch sozialverträglichen Preis. Das bedeutete allerdings: 2 Nächte ohne Bett. Einmal im Zug, einmal im Bus. Kann man mal machen, für diesen legendären Ground. Um nicht ganz so zerzaust und verfilzt in Liverpool aufzuschlagen, wurde am BER für schmale 10€ mal die Option einer Duschkabine ausprobiert. Das waren gut angelegte Euros, frisch frisiert und gut duftend konnte anschließend durch Liverpool flaniert werden.

An der Bill-Shankly-Statue hinter dem historischen Eingang, wollte mein Kontakt mich dann gut anderthalb Stunden vor dem Anpfiff treffen. Und von weitem sah ich ihn schon. Coole Nummer und die obligatorische Runde Cider in der Bar unter „The Kop“ ging natürlich auf meinen Nacken. Seine erste Dauerkarte besaß Jim 1969 und jene kostete 40£. Diese loyalen, treuen, unerschütterlichen Anhänger machen den englischen Fußball einfach aus und mir war es eine echte Ehre an diesem Abend, für einige Stunden in diesen Kreisen zu verkehren. Vielen Dank, Jimmy!

Nach ganz emsigen Einlasskontrollen mit Metalldetektoren ging es schließlich hinein in die gute Stube. Handy an den Scanner und ab auf die Haupttribüne. Die Ansprüche an diesem Abend waren nicht besonders hoch. Irgendwie erwartet man bei diesem Weltverein eher nicht so authentisches Publikum. Oder anders gesagt: Touristen. Doch das muss ich widerlegen. Vielleicht ist das auch der Vorteil von diesen harschen Ticket-Auflagen und der immensen Anzahl an Mitgliedern. Die Hürden sind hoch und nur Touristen, die viele hundert Pfund auf den Tisch legen, kommen in den abgeschotteten Hospitality-Bereich. Auch in Liverpool lieben sie ihren Verein und auf der Haupttribüne war eine Menge Pathos unterwegs.

Über den Ground muss man natürlich nicht viele Worte verlieren. Das Stadion hat eine ganz eigene Magie, obwohl es gar nicht so viele Ecken und Kanten hat. Es dauerte an diesem Abend, bis sich ein kleiner Zauber über die Anfield Road legte. Liverpool spielt bisher keine Fabelsaison, kämpft um die Teilnahme an der Champions League. Die rund 150 Millionen Euro Ablöse für Florian Wirtz haben noch nicht die gewünschten Erträge geliefert. Der Motor stottert hin und wieder mal. So ähnlich lief es auch gegen Brighton ab. Ex-Pauli-Trainer Fabian Hürzeler hatte seine Truppe gut aufgestellt und nur über die zweiten Bälle errang das Team von Arne Slot langsam etwas Sicherheit.

Nach einem aberkannten Tor war es schließlich Curtis Jones, der eine Flanke in der 42. Minute unter die Latte ins Tor drückte und ganz Anfield zum Beben brachte. Kurz nach dem Wiederanpfiff läutete eine Kombination von Mohammed Salah und Dominik Szoboszlai die endgültige Trendwende an diesem Abend ein: Eine traumhafte Stafette hämmerte der Ungar ins lange Eck. Anfield stand Kopf und von nun an war klar: Diese Bastion würden die „Reds“ heute gegen Brighton verteidigen! Komme, was wolle.

Szoboszlai war am vergangenen Sonntag noch der Pechvogel gewesen, nachdem er in einem „ganz komischen Zweikampf“ den Siegtreffer für ManCity zuließ und trotzdem die Rote Karte kassierte. Nur sechs Tage später war der Frust verflogen und ganz Anfield trug den 25-Jährigen auf Schultern durch das Stadion. Das sind die Geschichten, die man erleben will. Auch Salah krönte seine starke Leistung anschließend mit einem – zugegeben – etwas schmeichelhaften Elfmeter zum 3:0. Brighton fiel im zweiten Abschnitt nur noch durch Anwesenheit auf und hatte der Durchschlagskraft der „Scousers“ nichts mehr entgegenzusetzen. Das zufriedene Publikum bei so einem erfolgsverwöhnten Verein ist Zeugnis genug für einen gelungenen Abend.

Nach dem Spiel kam der unschöne Teil der Reise: Dank völlig überfordertem Nahverkehr wurden die rund 4km in die Stadt zu Fuß bewältigt – mittlerweile hatte es in Liverpool angefangen zu schneien. In der Stadt wurde sich noch kurz versorgt und den unglaublich kurzen Röcken der Damenwelt bei diesem „Schietwetter“ hinterhergeschaut. Dann ging es in einem miefigen, unbeheizten Bus durch die Nacht nach Heathrow zum Flughafen. Immerhin alles ohne großen Zeitverzug und mit ein paar Stunden Schlaf im Gepäck. Kann man mal machen, für diesen legendären Ground in Liverpool. (mm)

Sydney FC – Adelaide United FC – 1:2

Sydney FC – Adelaide United FC – 1:2

„LÜBECKER JUNG AUF FERNREISE“

14.02.2026
A-League
Allianz Stadium
Zuschauer: 8.816

SYDNEY — Für mich ging es neun Tage vor diesem Spieltag zum ersten Mal Richtung Down Under. Zusammen mit meiner Frau sicherte ich mir den Länderpunkt in Perth, wir ließen uns von Quokkas anlächeln, sahen zahlreiche Koalas auf der Great Ocean Road und gaben nicht gerade wenig Dollar für Getränke aus. Zeitgleich verhandelte ein Lübecker Jung an der Hafenstraße über einen neuen Vertrag und zwar in Sydney. Kein Geringerer als Ahmet Arslan, geboren in Memmingen und groß geworden in Lübeck, kam fast zeitgleich mit uns in Sydney an. Während wir ein paar Fotos vom Sydney Opera House knipsten, wurde Arslan im neuen Trikot abgelichtet. Zudem wurde über die sozialen Medien bestätigt, dass er direkt beim nächsten Heimspiel am Valentinstag gegen Adelaide im Kader stehen würde.

Den Valentinstag verbrachten wir am Bondi Beach, verbrannten uns aufgrund der UV-Strahlung ein wenig die Haut und fuhren anschließend ganz entspannt zum Stadion. Dort konnten wir unseren seelenlosen QR-Code von Ticketmaster in ein Hardticket umtauschen. Ein bisschen England-Vibe findet man also auch in Australien. Kurz nach dem Einlass sahen wir einen RWE-Fan im rot-weißen Jersey im Megastore. Ein neues Trikot von Arslan kaufte er sich nicht, denn zahlreiche andere Utensilien waren im Sale und da schlug nicht nur er zu.

Um 19:35 Uhr war es so weit: Die Spieler betraten das Feld, Arslan selbst nahm zunächst auf der Bank Platz. Während ich die Fotos für die Galerie und diesen Bericht knipste, fielen die beiden Tore der ersten Hälfte. Glücklicherweise stand ich in nächster Nähe und konnte beide Treffer aus kurzer Distanz miterleben.

In der 60. Minute war es dann endlich so weit: Der Lübecker Jung kam aufs Feld. Er hatte direkt zwei bis drei gute Torchancen, konnte das Leder aber nicht in die Maschen schnüren. Adelaide selbst durfte drei Minuten vor Schluss jubeln, da der Torhüter von Sydney einen ungefährlichen Ball nicht festhalten konnte. Dieser Torwartfehler entschied das erste Spiel von Arslan in Down Under, ein missglücktes Debüt. Dennoch ist Verbesserungspotenzial vorhanden, und wir werden seinen Werdegang weiter verfolgen. Wer als Profisportler auf den Sohnemann unseres Chefs bei einem Bezirksliga-Spiel aufpasst, der hat beim Landboten immer einen Platz im Herzen. Guter Mann, viel Erfolg in Australien!

Ob er so viel Beifall wie an der Hafenstraße oder in guten Zeiten an der Lohmühle bekommt, ist fraglich, denn zum Fußball verirren sich in Australien nicht unbedingt die Massen. Parallel zog Ed Sheeran wahrscheinlich den ein oder anderen Fan ab, aber im Allgemeinen ist Fußball hier nur die Sportart Nummer fünf. Footy, Cricket, Rugby und Basketball interessieren den Australier dann doch ein bisschen mehr. Obwohl die Zuschauerzahlen keine Auslastungsrekorde brechen, gibt es auch hier organisierten Support. „The Cove“ gab über 90 Minuten Gas und brachte ein wenig Stimmung in das moderne Stadion.

Das „Allianz Stadium“ ist wellenartig aufgebaut und soll mit seinen Mustern auf den Rängen an eine Unterwasserwelt erinnern. Sieht man auch nicht so häufig, sieht aber gut aus. (mb)

FSV Frankfurt 1899 – Kickers Offenbach – 2:4 n.E.

FSV Frankfurt 1899 – Kickers Offenbach – 2:4 n.E.

„REVISIT FOR NOTHING – DANKE, DEUTSCHE BAHN!“

13.02.2026
Hessenpokal
Stadion am Bornheimer Hang
Zuschauer: 6.414

FRANKFURT – Am Donnerstag-Abend entschied sich für mich das Freitagsprogramm. Die dt. Rennrodler räumten in Milano/Cortina im Teamwettbewerb die Goldmedaille ab und mit der „BahnCard 25 Probe Gold“, die man im Vorfeld für läppische 19€ erworben hatte, gab es am Folgetag beliebig viele freie Fernfahrten mit der DB! Danke Deutsche Bahn, danke Team Deutschland!

Ein Flug von Berlin um 10 Uhr am Samstag in den UK, war schon lange gebucht. Normalerweise wäre man gemütlich am Vortag mit der Regionalbahn von Schwechheim nach Berlin gefahren: Amateurkick und günstiges Hotelzimmerchen, nächsten Tag ausgeschlafen nach Manchester. Aber was ist schon normal in diesem Winter? In Berlin wurde bereits in der Vorwoche eine Generalabsage ausgesprochen. Dank der Goldmedaille gab es aber sehr gute Alternativen for nothing.

Bedingung war natürlich auch eine nächtliche ICE-Rückfahrt nach Berlin. Möglichst vor Mitternacht, damit man den Zug nicht bezahlen musste. Ab Köln und Frankfurt fuhr jeweils ein ICE um 23:30 Uhr mit passender Ankunftszeit Richtung Hauptstadt. In NRW hätte man in Velbert einen neuen Ground besuchen können. Aber die kalten Temperaturen und der Neubau irgendwo im Nirgendwo schreckten ab. Es wurde der Bornheimer Hang, der in „glorreichen Corona-Zeiten“ vor 5 Jahren mal als Geisterspiel gegen den Bahlinger SC besucht wurde. Da man damals auch sehr edel vom FSV behandelt wurde und dem Verein die letzten Bierreserven aus dem Kühlschrank abluchste, stand ein weiterer Höflichkeits-Besuch bei dem Regionalligisten noch aus.

Trotz Schneefall gingen alle Fahrten pünktlich über die Bühne und in Bornheim angekommen, wurde dieser interessante Stadtteil bei rund 10 Grad Außentemperatur einmal mehr unter die Lupe genommen. Zu Fuß ging es dann pünktlich zum FSV. Aus der Löwengasse kommend, genießt man einen hervorragenden Blick von oben auf die Bude. Das Stadion wurde ja vor etwa 15 Jahren rundum modernisiert, gefällt aber trotzdem mit seinen unüberdachten Kurven. Offenbach war zahlreich angereist, konnte den Block aber nicht komplett füllen. Von der FSV-Szene nahm ich ehrlicherweise das erste Mal richtig Notiz. Ein ganz kleiner Haufen, der aber permanent Lärm erzeugte und in Bewegung war.

Das Spiel konnte mit beiden Kurven nicht wirklich mithalten – bezeichnend. Schon früh war absehbar: Das wird hier heute kein Spektakel. Zwei Teams außer Form und auf dem Rasen stand mit dem Halbfinaleinzug eine Menge auf dem Spiel. Aufregung gab es vor allem an der Seitenlinie, wo es zu Rudelbildungen kam. Der FSV mag das talentiertere Team zusammenhaben, was sich aktuell in der Tabelle widerspiegelt. Offenbach stellte die guten Ansätze aus dem ersten Abschnitt nach der Pause ein und übte sich in planlosem Offensivspiel mit katastrophalen Abschlüssen. Die Frankfurter waren näher am Duselsieg, die Gäste mussten einen Ball auf der Linie retten. In der Nachspielzeit kam der OFC jedoch zwei Mal gefährlich nah vor das Tor.

Wie dem auch sei: Entscheidung im Elfmeterschießen nach 90 torlosen Minuten. Die Gastgeber vergeigten gleich den ersten Versuch, Offenbach traf mit jedem Schuss. Besonderheiten gab es sonst keine. Immerhin klappte die Nachtfahrt zum BER reibungslos. Der Zug kam sogar 14 Minuten zu früh in der Hauptstadt an. Das ist fast mehr wert als ein gutes Fußballspiel. (mm)

VfL Bochum ‐ SC Paderborn 07 – 0:0

VfL Bochum ‐ SC Paderborn 07 – 0:0

„FRUST UND FROST IM REVIER“

15.02.2026

2. Bundesliga
Ruhrstadion
Zuschauer: 25.646

    BOCHUM – Über Düsseldorf ging es von einer kurzen Dienstreise heute wieder ganz allmählich Richtung Schwechheim. Winterfeeling mittlerweile auch in NRW. Amateurspiele waren rar gesät und wurden meist auf Kunstrasen ausgetragen – seit dem Wochenende regiert im Westen der Frost. Also gab es mal wieder einen Revisit in Bochum. Mein 8. Besuch im wunderbaren Ruhrstadion. Bei den sechs VfL-Spielen zuvor konnte bisher kein Heimsieg verbucht werden. 2011 stand zudem das Kracherspiel der Frauen-WM im Ruhrstadion auf dem Programm: Äquatorial-Guinea gegen Australien.

    Bei strahlend blauem Himmel sahen die Vorzeichen gar nicht schlecht aus. Der VfL bis zu diesem Zeitpunkt seit 8 Spielen in Serie in Liga 2 ohne Niederlage, brauchte einen Sieg, um sich aus dem Verfolgerfeld zu lösen und wieder im Aufstiegskampf anzuklopfen. In jenen Regionen spielt der SCP schon die ganze Saison mit. Dementsprechend konnte mit einem flotten Spiel gerechnet werden. Und so kam es auch.

    Nur leider ist ein flottes Spiel auch nicht immer ein Garant für volle Notizbücher. Bereits in der Straßenbahn konnte ein Gespräch belauscht werden, in dem ein „Jungsche“ die Heimfahrt der Ultras verriet. Aktueller Stand aus dem Buschfunk der Straßenbahn: Die Pader-Szene wurde aus der S-Bahn herausgefischt, weil sie vermummt zum Spiel fuhr. Und wieder ein paar Negativzahlen in der Statistik mehr. Offenbar war sogar eine Choreo in Bochum geplant. All Christians Are Brothers, aber niemals Freund und niemals Helfer. Ich sag euch das!

    Paderborn konnte den Block dennoch gut füllen und supportete bisweilen auch. Ich weiß zwar immer noch nicht, was ich mit dem Verein anfangen soll, aber meine Solidarität sei euch gewiss. Die nächste, hässliche Fratze des Fußballs: VAR. Nach einer halben Stunde wurde ein klarer Handelfmeter für den VfL gepfiffen. Schütze und Torwart standen sich schon Auge in Auge gegenüber. Da mischte sich der VAR ein. Anschließend war Referee Tom Bauer über das Funkmikrofon zu hören und verkündete ein vorheriges Foulspiel über die Stadionlautsprecher. Elfmeter annulliert. Einfach nur total spooky. Zumal der Schiri sich die Situation nicht nochmal vor dem Monitor zu Gemüte führte und diese Entscheidung ihren Ursprung wohl ganz alleine im Keller hatte.

    Endstand dieser Partie? Genau: 0:0. Das lag einerseits an dem starken SCP-Schlussmann Dennis Seimen, der einige Bälle aus dem Winkel kratzte. Und andererseits an dem Präsenzstürmer von Bochum: Philipp Hofmann. Der hatte zwar auch gute Szenen, ist in der Rolle als zentraler Spieler einer Mannschaft in jedem Bewegungsablauf aber einfach viel zu langsam. Seit der U21 und wahrscheinlich auch schon davor. Uwe Rösler: Vielleicht mal die kurze Hose wechseln und ’ne Brille aufsetzen – dann klappt’s beim nächsten Mal auch mit dem Sieg.

    Ansonsten hätte der VfL die 3 Punkte in allen Belangen verdient gehabt. Der Gegner wurde mehr und mehr überrollt, Paderborn wackelte am Schluss ganz gewaltig. Es war ein gutes 0:0. Soll ja auch mal vorkommen. Was bleibt sonst von diesem Nachmittag? Neben Frost und Frust nach wie vor eine richtig gute Dosis Ruhrpottfußball an der Castroper Straße. Wenn Herbert Grönemeyer seine Stadthymne vor dem Spiel zum Besten gibt, fühlt man sich den 80er-Jahren einfach ganz nah. 4630 Bochum, du Blume im Revier! Wir hoffen, dass unsere Bildergalerie euch dieses besondere Feeling im besten Falle bis nach Hause transportiert. Schönen Sonntag noch und bis zum nächsten Mal – dann auch wieder mit Gästefans, Toren und ohne VAR. (mm)

    SpVgg Sterkrade 06/07 – DJK Arminia Klosterhardt – 2:2

    SpVgg Sterkrade 06/07 – DJK Arminia Klosterhardt – 2:2

    „ACH, DU DICKER STEIN!“

    08.02.2026
    Bezirksliga Niederrhein 6
    Stadion „Am Dicken Stein“
    Zuschauer: 530

    OBERHAUSEN – Um 7 Uhr landete der Flieger aus Rumänien am Flughafen Dortmund. Was für eine unchristliche Zeit! Auf der anderen Seite war der Tag gerade erst 7h alt und wollte befüllt werden. Später warteten noch 3 Spiele in Oberhausen und Mülheim auf mich. Der Puffer zwischen der Landung und dem ersten Spiel wurde mit einem ausgiebigen Frühstück und einem Schwimmbadbesuch in Oberhausen bespielt. Praktischerweise lag der „AQUApark“ nur ein paar Minuten von dem ersten Ground des Tages entfernt. Fast neben dem Schwimmbad erfreut der „Zauberlehrling“ das Auge – ein tanzender Strommast, der als Skulptur von der Künstlergruppe „inges idee“ entworfen wurde.

    Damit war der Kulturteil abgehakt und frisch gefönt ging es zu den ersten beiden Begegnungen des Tages. 8 Wochen ohne Amateurspiel sollten zu Ende gehen. Doch die ersten beiden Partien in der letzten Liga bei SuS 21 Oberhausen III und Fatihspor Mülheim II waren harte Kost. Das wusste man vorher und so gab es trotzdem ein paar nette Dinge zu notieren: Bei SuS an der „Schleuse“ stimmte die Verpflegung. Da sowohl die II. als auch die I. Herren am Nachmittag antrat, wurde bereits bei der III. Mannschaft der Kiosk geöffnet und die Fritteuse leistete ganze Arbeit. In Mülheim konnte der Ground vom Dümptener TV durchaus überzeugen – viel wichtiger aber, dass sich nach einer halben Stunde die Sonne aus ihrem Wolkennest schälte und für leichte Frühlingsgefühle sorgte.

    Vom dritten Spiel des Tages versprach ich mir etwas mehr. Mit über einer halben Stunde Vorlaufzeit ging es nach Oberhausen-Sterkrade. Den Wagen etwas rechtswidrig auf einer Grünfläche abgestellt, wurde zügig der Eingang angesteuert. Dort angekommen, lautete der erste Gedanke: „Ach, du dicker Stein!“. Was war denn hier los? Lange Schlangen an der Kasse. Dass Platz 2 auf Platz 1 traf und der Sieger der Partie die Tabellenführung übernehmen würde, konnte zuvor dem DFB-Net entnommen werden. Auch wenn beide Vereine Oberhausener Ursprungs sind, hielt man das Spiel für eine wahllose Bezirksliga-Partie. Dass die jeweiligen Sportplätze keine anderthalb Kilometer auseinander liegen, wurde vorher jedoch nicht gecheckt. Lokalderby in der Bezirksliga!

    Eigentlich wollte vor der Partie noch der Magen befüllt werden. Doch dank des Andrangs reichte es gerade noch für eine entleerte Blase, da marschierten die Akteure schon ein. Auch in Sterkrade rundete ein azurblauer Himmel die Szenerie ab. Nicht zuletzt dank einer Kulisse von rund 600 Zuschauern strahlte der Groundhopper an diesem Sonntag-Nachmittag mit der Sonne um die Wette. Außerdem ließ das „Stadion Am Dicken Stein“ das Herz höherschlagen. Ein großer Wall mit alten Baumbeständen, die unüberdachte Tribüne mit den blauen Sitzen und viele kleine Details sorgen für einen Bezirksliga-Ground aus dem Bilderbuch. Die Verpflegung wurde natürlich sukzessive nachgeholt. Und Sterkrade tischte richtig auf: Neben einer sehr guten Bratwurst im Brötchen, gab es Currywurst mit lecker Soße und nach dem Spiel noch ein Stück Käsekuchen, sowie eine Frikadelle als Reiseproviant für die Rückfahrt. Auf die Erbsensuppe verzichtete ich, bekam aber auf meine Nachfrage in Sachen Tickets gleich drei verschiedene Sammler-Exemplare in die Hand gedrückt. Sensationell!

    Genau so muss Amateurfußball sein! Das galt nicht nur für die Beköstigung, sondern auch für den sportlichen Teil. In einer intensiven Bezirksliga-Partie ging es von der ersten Sekunde an voll zur Sache. Klosterhardt hatte die besseren Ansätze, Sterkrade kämpfte sich in die Partie zurück und erzielte nach einer halben Stunde den ersten Treffer des Tages. Im Ruhrgebiet gehören die Meckerrentner einfach dazu. Natürlich auch in Oberhausen. Wäre es nach ihnen gegangen, so wäre spätestens jetzt Schluss gewesen, „…weil hier heute eh nichts passiert“. Doch das Gegenteil war der Fall, die Partie wurde immer besser.

    Der Halbzeitführung für Sterkrade folgte der verdiente Ausgleich für die Arminia. Dann wurde es bunt. Ein Gästespieler sah die Rote Karte und fortan beherrschten die Emotionen dieses Spiel. Denn Klosterhardt war nicht zufrieden mit dem Platzverweis und die SpVgg legte schnell das 2:1 nach. Die nächste strittige Situation ließ nicht lange auf sich warten: Elfmeter für die Gäste. Das war die Rettung für Klosterhardt, aber den Elfer konnte man geben – 2:2! In einer wilden Schlussphase stand die Abwehr auf beiden Seiten schließlich offen wie ein Scheunentor, aber es blieb bei dem gerechten Remis. Oder wie die Meckerrentner sagen würden: „Hier wollte heute ja eh kein Team gewinnen“. (mm)

    Neoi Eugeneias – Amfiali FC – 3:7

    Unsere BILDERBUCHBUDE DER WOCHE (85) kommt heute aus Piräus, Griechenland. Schnappt euch ein Alfa Bier für zwei Euro aus dem stadioneigenen Kiosk und genießt das Treiben auf und hinter dem Platz. Direkt hinter dem Spielfeld erstreckt sich der saronische Golf mit seinen hügeliegen Inseln.


    06.02.2026
    Piräus, Griechenlans
    Gipedo Keratsiniou Nikos Godas
    Neoi Eugeneias – Amfiali FC – (3:7)

    AE Kifisia – Atromitos Athen – 0:1

    AE Kifisia – Atromitos Athen – 0:1

    „AKRIBISCHE KONTROLLEN AN DER AKROPOLIS“

    07.02.2026
    Super League Griechenland
    Neapolis Piraeus Municipal Stadium
    Zuschauer: 1.055

    ATHEN – Für nur 82 Euro schoss ich bereits letztes Jahr Return-Flüge von Hamburg nach Athen. Mit „Skyexpress“ ging es am vergangenen Freitag also gen Griechenland. Der Name hielt, was er versprach – nichts! Dennoch landeten wir sicher am Freitagabend bei 16 Grad Außentemperatur und setzten uns noch für eine Weile auf die Dachterrasse unseres Apartments.

    Der Samstag startete früh am Morgen bei angenehmen 18 Grad und ordentlich Sonne mit einem kleinen Bummel durch den Stadtteil Plaka, welcher den Felsen, auf dem die Akropolis thront, umgibt. Um die Mittagszeit kehrten wir im „Tis theatrou to steki“ Tappas-Restaurant ein. Klare Empfehlung für authentisches, preiswertes, griechisches Essen. Die 4,7 Sterne bei Google Maps hat sich diese kleine Taverne redlich verdient. Gestärkt und ausgestattet mit Kindertickets ging es wieder zurück zur Akropolis. Die Gratis-QR-Codes wurden allerdings nicht akzeptiert. Stattdessen wurden wir feierlich abgewiesen und mussten zum Tickethäuschen, um uns dort für 30 € pro Person Vollzahler-Tickets zu ziehen. Immerhin „Hardtickets“, für die Sammlerbox versteht sich. Auch wenn der Preis recht happig ist, lohnt sich der Anstieg allemal. Athen ohne Akropolis ist wie London ohne Tower Bridge.

    Im Stadtteil Korydallos liegt das Stadion „Neapolis Piraeus Municipal Stadium“, in dem Kifisia zurzeit seine Heimspiele austragen darf. Hier wurde uns der Eintritt viel freundlicher gewährt als ein paar Stunden zuvor auf der Akropolis. Bewaffnet mit Dosenbier im Rucksack betraten wir den Innenraum des Stadions. Wäre gar nicht nötig gewesen, es gab unter der Haupttribüne einen kleinen Kiosk, wo man sich für 2,50 € mit Dosenbier eindecken konnte. Ich war einfach zu lange nicht mehr in Griechenland und habe ganz vergessen, wie sympathisch es hier zugeht. Sympathisch fiel uns allerdings auch etwas ganz anderes auf: Fast 300 Gästefans begleiteten ihre Startelf aus Peristeri und nahmen den humanen Anreiseweg von knapp 16 Kilometern auf sich. Leider keine Pyro, aber 90 Minuten Ekstase im wunderschönen Balkanstyle! Großartig, Fentagin!
    Natürlich wurde sich auch während der Halbzeitpause gebührend mit den Heimfans angelegt und ordentlich bepöbelt. Passiert ist natürlich nichts. Apropos Heimfans: Viel los war auf der Gegengerade nicht, die meisten Zuschauer auf der Heimseite waren ortsansässige Rentner oder Kinder. Nur zwei Dutzend Jugendliche waren bereit, sich 15 Minuten lang mit den Ultras im Gästeblock anzustacheln. Die „Heimkurve“ blieb komplett geschlossen. Auf dem Feld passierte nicht wirklich viel. Nach 90 Minuten konnte Atromitos das Spiel mit 1:0 gewinnen, das geht soweit auch in Ordnung. Somit zieht Atromitos direkt an Kifisia vorbei auf Tabellenplatz 9.

    Den Sonntag verbrachten wir bei herrlichem Wetter im Zentrum von Athen und Piräus. Zuerst wanderten wir auf den Philopapposhügel, von wo aus man einen perfekten Blick auf die Akropolis und das von weißen Häusern bedeckte Stadtgebiet hat. Zur anderen Seite blickt man auf die wunderschöne Bucht von Piräus. Im Anschluss sollte es noch in die kleine, eben genannte Hafenstadt gehen. Mit der Metro erreicht man Piräus von Petralona innerhalb von 20 Minuten. Statt Derby stand am späten Nachmittag Amateurfußball und ein neuer Ground für uns an. Bilder davon gibt es am Freitag in unserer Rubrik „Bilderbuchbude der Woche“. (hd)

    Málaga CF – Cultural Leonesa – 2:1

    Málaga CF – Cultural Leonesa – 2:1

    „KATASTROPHEN-HOPPER GEBEN NIE AUF”

    08.02.26
    Segunda División
    Estadio La Rosaleda
    Zuschauer: 24.211

    MÁLAGA – Den Verein verbinde ich schon lange mit einem sehr prägenden Spiel in meiner Jugend vor dem Fernseher. Viele Leser werden wissen, welchen Kick ich meine. Felipe Santana schoss in der 92. Minute im Gewusel von Dortmund das 3:2. Grenzenloser Jubel von den Fans der Schwarz-Gelben. Was ist mit diesem Verein aus Andalusien passiert? Fußball und Investoren, da ist der Klub ein perfektes Beispiel, warum diese beiden Dinge in meinen Augen nicht zusammenpassen. Im Jahr 2010 kaufte sich ein Geldgeber den Klub, der Verein gönnte sich viele Spieler mit bekannten Namen. Unter anderem Roque Santa Cruz, Ruud van Nistelrooy, den damals jungen Isco oder Santi Cazorla. Sportlich lief es dadurch rund und mündete im Einzug in die Königsklasse. Das Aus folgte erst im Viertelfinale in der oben beschriebenen Partie im Dortmunder Westfalenstadion. Und heute? Der Scheich war längst weg vom Fenster. Nach dem Abzug kam die Wende. Die Spieler wurden verkauft und durch Nachwuchs und Leihspieler ersetzt. Der Verein stieg in die zweite Liga ab und kurzzeitig auch in die dritte Liga. Wahnsinn, so schnell kann es im Fußballgeschäft gehen. Den Wiederaufstieg in die Segunda División erreichte der Klub fix. Eins, was bleibt, sind wie so oft die Fans: Durch sportlichen Erfolg füllt sich (logischerweise) auch oft das Estadio von allein. Wichtig ist es aber, dass diese Fans auch zu ihrem Klub gehen, wenn dieser eben wie aktuell in der Zweiten Liga antritt. Getreu dem Motto: Die einzige Konstante im Verein, sind die Fans.

    Zunächst gab es eine Hiobsbotschaft für mich vor der Tour. In den sozialen Medien erfuhr ich von schweren Unwettern in der Region. Cádiz, Málaga und andere Städte in der Provinz waren betroffen von Sturm, Erdrutschen und teilweise Überschwemmungen. Mitbekommen habe ich das durch die Veröffentlichung eines Statements des andalusischen Fußballverbands. Es folgte die Absage der Amateurspiele, die ich vor meinem Besuch am Sonntagabend in Málaga geplant hatte. Der Blick auf die Wettervorhersage brachte nicht unbedingt die Vorfreude zurück. Ich sortierte kurz die Gedanken und trat die Reise am Ende dennoch unverändert an.. Vor Ort war es auch nicht so schlimm, wie es in den Medien stand. Klassiker, dennoch viel Kraft den Betroffenen!

    Somit wurde der Sonntag nach der Landung am Airport umgeplant. Das einzige Spiel, das vorher möglich war, lag in Estepona. Eine Stadt, abseits des typischen Tourismus vom “Deutschen Heinz und Gisela” in Malaga, Marbella oder Sotogrande. Ein herrlicher Start in den Tag. Als Präsent gab es die dritte Nullnummer in diesem Jahr und ein Spiel mit zwei aktiven Fangruppen. Für zehn Euro Eintritt stand man auf der Hintertorseite bei 15 Grad und leichtem Sonnenschein. Von Unwetter und Überschwemmungen blieb zum Glück nur der Wind.

    Zurück nach Málaga ging es mit dem Bus der Firma Avenza. Ein großes Busunternehmen, das in der Region Andalusien viele Strecken anbietet. Der Blick auf die Website lohnt sich, da die Spiele ohnehin abgesagt wurden, lohnte sich in diesem Fall kein Mietwagen. Preislich war es identisch, da setze ich mich auch mal gerne in den Bus für die Augenpflege. Tickets für ein Spiel in Málaga werden nach dynamischen Preisen verkauft. Ein spannendes System: Ungefähr vier Tage vor dem Kick, besorgte ich mir eine Karte hinter dem Tor für 25 Euro. Als kleiner Tipp: Im Oberrang konnte man sich komplett frei bewegen und somit auch auf die Haupttribüne gehen. So sollte es immer und überall sein. Die Sparfüchse des Landboten würde es freuen.

    Die Lage des Estadio La Rosaleda gefiel mir auf Anhieb, dafür ist das Land Spanien aber auch oft bekannt. Zentrumsnah und doch mitten in einem Wohngebiet. Nebenan verläuft ein Fluss und auf der Brücke startet der Trubel. Fliegende Verkäufer bieten Schals, Hamburguesa und Magneten. Es lohnt sich definitiv, die Stimmung vor dem Spiel so gut es geht aufzusaugen. Stimmung in Spanien? Nach meinem Besuch in Bilbao war es eines meiner besseren Spiele in diesem Land. So unterschiedlich die Erfahrungen auch sind, bin ich mit dem Spielbesuch in Malaga definitiv zufrieden.

    Der mit ungefähr 100 Mann gefüllte Gästeblock hatte zuerst Grund zur Freude: Der Führungstreffer gelang dem Team in der ersten Halbzeit. Dem Aufsteiger gelang somit die kurzzeitige Überraschung. Nach der Führung begann Malaga richtig attraktiven Fußball zu spielen, schnelle Seitenverlagerungen, fließende Abläufe und eine Menge Chancen. Der Ausgleich erfolgte in der zweiten Hälfte und den Siegtreffer gab es in der Nachspielzeit. Ein herzlicher Mittelfinger an die Leute, die das Stadion schon vorher verlassen haben. Es wird leider immer irgendwelche “Fans” geben, die lieber drei Minuten vorher das Stadion verlassen, um drei Minuten eher im Stau zu stehen. Selbst schuld, die verpasste Stimmung und das kollektive Ausrasten haben mir richtig gefallen! Fußball gehört den Fans und nicht den Investoren, Málaga ist dafür eben ein perfektes Beispiel. Der Fußball ist und bleibt kein Spielzeug. (sl)

    CFR 1907 Cluj – Universitatea Cluj – 3:2

    CFR 1907 Cluj – Universitatea Cluj – 3:2

    „ODE AN DIE FREUDE“

    07.02.2026
    Liga I
    Stadionul Dr. Constantin Rădulescu
    Zuschauer: 9.358

    CLUJ-NAPOCA – Ein unverhofft freies Wochenende traf auf eine Geburtagsparty am Freitag-Abend. Erst am Samstag und Sonntag sollte ich freie Hand haben in Sachen Fußball. 48h Zeit. Eingeschränkter Radius? Vielleicht. Doch da tauchte in einer Suchmaschine ein Billigflug von Dortmund nach Cluj für den Samstag-Nachmittag auf. Zufälligerweise war auch das Cluj-Derby am Abend angesetzt. Landung: 17 Uhr. Anpfiff: 20 Uhr. Rückflug: 6 Uhr. Prima, alles in der Tüte und nächsten Tag in NRW noch viel Zeit für schöne Dinge.

    Mit ein paar Höflichkeitsbierchen im Kopf ging es also gegen 1 Uhr in der Nacht von Freitag auf Samstag ins Bett und um 6 schellte schon wieder der Wecker. Der Schlaf war selig, die Motivation groß und die 3,5h Autofahrt von Schwechheim zum DTM völlig ereignislos. Kurz vor Dortmund flackerte jedoch eine Flugverspätung von 1h auf. So wurde aus dem 13h- ein 12h-Trip und es verblieben vor Ort zweieinhalb Stunden bis zum Anpfiff. Die Verspätung verringerte sich sogar noch etwas und das „Bolt“ vom Airport zur Altstadt benötigte gerade mal rund 10 Minuten. Klappte wie am Schnürchen und für den recht schmucken Stadtkern von „Klausenburg“ reichen 1-2h im Zeitplan vollkommen aus, inklusive Verpflegung.

    Zu Fuß ging es anschließend eine ordentliche Steigung hinauf zum „Stadiumi Dr. Constantin Rădulescu“. In der Stadt herrschte noch nicht wirklich Derby-Stimmung und vor dem Ground fielen vor allem Polizisten auf. Überall schwerbehelmte „Jandarmeria“. Im Stadion selbst füllte Uni die einzige Hintertortribüne, während sich eine halbe Stunde vor dem Anpfiff noch Rätsel auftaten, welchen Bereich die Heimfans einnehmen würden. Erst kurz vor dem Anpfiff wurde ein großer Block auf der Gegentribüne bevölkert.

    Los ging das Derby ohne wirkliche Choreos und mit einer zehnminütigen Abtastphase – doch dann krachte es richtig. Gerade als Uni mit einer Pyro-Show startete, erzielte CFR per Kopf das 1:0. Die Gästekurve glühte und kurz darauf stand auch der Rasen in Flammen. Der Fackeln entledigte man sich im Gästeblock, in dem das rotglühende Feuer einfach auf’s Spielfeld geworfen wurde. Das ergab ein Bild wie im Bürgerkrieg. Doch das beeindruckte niemanden. Gerade der CFR-Torwart bewegte sich völlig unaufgeregt zwischen den ganzen Feuerquellen. Das Spiel wurde nur kurz unterbrochen, damit die Feuerwehr das Brenngut einsammelte. Stadion-Ansagen gab es keine. Hinzu kamen massig Gegenstände, die von der Tribüne auf das Spielfeld flogen. Immer wieder steckten Fahnenstangen wie Speere im aufgeweichten Rasen.

    Als kurz darauf nach einem kapitalen Abwehrfehler das 2:0 fiel, war sogar der Gästeblock kurz ruhig. Uni stellte die größere Crowd. Doch CFR hatte mit diesem Spielverlauf natürlich gute Karten. Ein bisschen Gänsehaut machte sich breit, als Uni geschlossen nach dem Anpfiff rumänische Textzeilen zu der Gassenhauer-Melodie von „Freude schöner Götterfunken“ durch’s Rund schickte. Insgesamt legten die Gäste gesanglich einen richtig guten Auftritt auf’s Parkett und waren von Anfang an auf Krawall gebürstet, was sich später noch bewahrheitete.

    Eine Ode an die Freude war dieser Abend aber vor allem für das Heimteam. Für die „Eisenbahner“ bedeutete die klare Führung ein überraschendes Ergebnis. Blieb CFR in dieser Saison doch hinter den Erwartungen zurück und stand in der Tabelle bis dahin hinter dem großen Rivalen, wo es noch um die Teilnahme an den Play-Offs geht. Das Anschlusstor ließ nicht lange auf sich warten und so entwickelte sich ein sehr unterhaltsames Spiel mit Chancen auf beiden Seiten. Als alle Beteiligten gedanklich schon fast in der Kabine waren, fiel in der Nachspielzeit wiederum nach einem großen Bock in der Defensive das 3:1.

    Nun würde es schwer für die „Studenten“ werden und das bestätigte sich. Uni übernahm das Kommando, CFR schaltete von Offensive auf Defensive um. Bis in die Schlussphase beruhigte sich das Geschehen auf Rasen und Rängen etwas. Doch Minuten vor dem Ende gelang den Gästen der ersehnte Anschlusstreffer zum 3:2. Die spannende Nachspielzeit hatte einen Pfostentreffer für die Eisenbahner parat. Fast wäre Uni in einer Szene zuvor der Ausgleich per Fallrückzieher gelungen. Irre auch, was nach dem Spiel abging: Wütende Funktionäre gingen auf wütende Funktionäre los. Gerade als der Uni-Block das Tor zum Spielfeld aufgebrochen hatte, rückte eine Hundertschaft Polizei ins Stadion vor und verhinderte mit gehörig viel Pfefferspray den Platzsturm.

    Der leichte Juckreiz in Augen und Lunge war das Signal für den Abzug. So schnell wie ich gekommen war, saß ich auch schon wieder im Flieger. Unglaublich, was man an einem halben Tag alles so erleben kann. (mm)

    Arka Gdynia – Legia Warszawa – 2:2

    Arka Gdynia – Legia Warszawa – 2:2

    „100 JAHRE FENSTER ZUR WELT – DOCH LEGIA CRASHT DIE PARTY“

    07.02.2026
    Ekstraklasa
    Stadion Miejski w Gdyni
    Zuschauer: 12.497

    GDYNIA – Am Freitagabend ging es direkt von der Arbeit zum Hamburger Flughafen. Mit circa 40 Minuten Verspätung brachte uns eine Wizz-Air-Maschine nach Danzig. Schnell ein Bolt gebucht und wenig später befanden wir uns bereits in der „Bernstein Arena“ von Lechia Gdánsk. Bei einem tristen Kick war das einzige Highlight eine Pyroshow der Gästefans aus Krakau. Symbolisiert wurde die Freundschaft zu Arka Gdynia.

    Der Samstag wurde mit ein wenig Sightseeing in Danzig gestaltet. Eine Stadt, die ich zwar bereits vor einigen Jahren im Sommer besucht hatte, doch da mein Reisekollege noch nicht vor Ort war, war ich gerne bereit mir die Stadt auch im Winter noch einmal anzuschauen. Und egal, ob die Mottlau strömt oder vereist ist – die Stadt lohnt sich zu jeder Jahreszeit.

    Nach einigen Kilometern Fußweg und Żabka-Hotdogs ging es per Bahn in die Nachbarstadt Gdynia. Da wir bereits zwei Stunden vor Anpfiff in der Stadt ankamen, war der Plan klar: Im Einkaufszentrum aufwärmen und danach für 90 Minuten in den „Gefrierschrank“. Nach wenigen Metern erreichten wir allerdings den Nebenplatz, auf dem bereits Spieler zu sehen waren. Kurz nach einem Anwesenden gefragt, erklärte man uns, dass dort gerade die U17 spielt. Zwar war von Anfang an klar, dass das für uns niemals zählbar sein würde, gefreut haben wir uns über einen rollenden Ball dennoch.

    Als in der 40. Minute zur Halbzeit gepfiffen wurde, ging es für uns wieder raus aus dem Stadion und ab in den nächsten Żabka. „One Hot Dog and one Cider“ lautete die Bestellung, die am Tisch verzehrt wurde. Zwischenzeitlich schaute ein Polizist in den Laden und wenig später meinte ein Verkäufer, dass ich möglicherweise eine Strafe zahlen müsse, da der Markt ein öffentlicher Ort sei und dort Alkoholkonsum verboten ist. Glücklicherweise kam ich ohne Strafe davon. Stattdessen gab es vor dem Stadiontor gratis Tee.

    Mindestens genauso heiß wurde es beim Einlauf der Mannschaften. Zum 100. Geburtstag der Stadt wurde auf der Gegengerade eine Choreo präsentiert und zahlreiche Fackeln gezündet.

    Unglücklicherweise befanden sich unsere Plätze genau auf dieser Tribüne, so dass die Choreo und Pyroshow nur von der Seite betrachtet werden konnten. Die Zuschauer auf den anderen Tribünen konnten ein langes Spruchband mit dem Text: „1926 – 100 LAT POLSKIEGO OKNA NA ŚWIAT – 2026“ erkennen. Übersetzt bedeutet das so viel wie „100 Jahre polnisches Fenster zur Welt“. In den 1920er- und 1930er-Jahren wurde in Gdynia ein Hafen gebaut, der für den polnischen Außenhandel und internationale Beziehungen von großer Bedeutung war. Auf der riesigen Blockfahne wurde die Entstehung und Bedeutung der Hafenstadt dargestellt.

    Einen besseren Blick gab es dann auf die zweite Choreo, die während des Spiels auf der Fantribüne ausgerollt wurde. Auf der Blockfahne waren die typischen Berufsgruppen der Stadt zu sehen: Werftarbeiter (Gdynia ist bekannt für Schiffbau und Werften), Seeleute (stehen für Handelsschifffahrt, Marine und Hafen), Fischer (als Erinnerung daran, dass Gdynia ursprünglich ein Fischerdorf war) sowie Arbeiter allgemein, die die Stadt industriell aufgebaut haben. Die dargestellten Personen waren größtenteils vermummt. Außerdem zu sehen war das Stadtwappen von Gdynia mit zwei Fischen und einem Kreuz, das für maritime Tradition, Stadtidentität und lokalen Stolz steht.

    Links und rechts von der Blockfahne wurden goldene Elemente hochgehalten, die Wohlstand, Entwicklung und Erfolg der Stadt symbolisieren. Zudem wurden auch hier mehrere Fackeln gezündet.
    Auf einem weiteren Spruchband stand:
    „STOCZNIOWCY, MARYNARZE, RYBACY, ROBOTNICY“ – übersetzt: „Werftarbeiter, Seeleute, Fischer, Arbeiter“.

    Auch sportlich sollte es interessant werden. Legia war vor dem Spieltag Tabellenletzter und gastierte beim Tabellen Dreizehnten. Es entwickelte sich also ein echter Abstiegskracher.

    Bis kurz vor Schluss sah es so aus, als würde Gdynia die Gäste aus der Hauptstadt noch tiefer in die Krise schicken. Nach 89 Minuten stand es 2:0. Die Mannschaft von Legia zeigte jedoch Moral und kam in der 90. Minute zum Anschlusstreffer. Euphorie im Gästeblock? Fehlanzeige – es gab kaum eine Reaktion.

    Eine Reaktion zeigte jedoch die Mannschaft, denn in der fünfminütigen Nachspielzeit gelang Legia tatsächlich noch der Ausgleich. Zumindest jetzt wurde im Gästeblock etwas gejubelt. Zufrieden waren die Legia-Fans dennoch nicht. Der Verein läuft aktuell seinen eigenen Erwartungen hinterher, weshalb die Anhänger nach dem Spiel deutliche Worte an ihre Mannschaft richteten.

    Für meinen Reisekollegen und mich ging es anschließend zurück nach Danzig, um die polnische Küche zu testen und das ein oder andere Kaltgetränk zu vernichten. Ein besonderer Tipp ist das Café Szafa, wo man zentrumsnah und für wenig Geld einen geselligen Abend verbringen kann. (fj)

    Érdi VSE – Pésci MFC – 0:0

    Sia! und herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe der BILDERBUCHBUDE DER WOCHE (84).

    Während die Redaktion über den Berichtsplan der kommenden Woche debattiert, schaue ich aus dem Fenster auf die vom Schnee bedeckte Tristesse. Wie gern erinnere ich mich in diesen Momenten an die heißen, sonnigen Sommertage zurück. Als kleinen Reminder, dass das Leben bald wieder einen Sinn hat, hier ein paar Bilder vom schönen Stadion aus Érd, Ungarn. Zwischen dem Balaton und Budapest kann der Freund des Amateurfußballs Bier und Bratwurst zu humanen Preisen konsumieren. Hier in Érd ist die Welt noch in Ordnung!


    06.08.2025
    Érdi VSE – Pésci MFC – 0:0
    Ercsi uti Stadion

    KF Teuta Durrës – FK Vllaznia Shkodër – 0:1

    KF Teuta Durrës – FK Vllaznia Shkodër – 0:1

    „HALBZEITSHOW – KATEGORIA SUPERIORE!“

    01.02.2026
    Kategoria Superiore
    Niko-Dovana-Stadium
    Zuschauer: 1.108

    DURRËS – Mit etwas Glück hätte es für die Reisegruppe „Papa & Söhne“ auch mit drei Erstliga-Spielen an diesem Wochenende in Albanien geklappt. Doch die 21-minütige Nachspielzeit und der Brechreiz des kleinsten Groundhoppers beim Partizani-Kick am Tag zuvor, taten ihr Übriges. Das war auch besser so. Ein torloses Unentschieden von Dinamo City im neuen Nationalstadion vor einer Handvoll Zuschauer, wäre wohl höchstens was für die Statistik gewesen. Umso mehr freuten wir uns auf den zweiten Kick dieser Reise in der Hafenstadt Durrës am nächstenTag.

    Mit dem Nahverkehr ging es für umgerechnet 40ct am Vormittag an den Stadtrand von Tirana. Ziel dort: Der Fernbahnhof „Terminal D“, der gerade umgebaut wird und ohnehin nicht sehr einladend wirkt. Aber egal, denn für 400 Lek fährt man von dort preisgünstig nach Durrës und in alle anderen größeren Städte im Land. Die Busfahrt verlief an und für sich ereignislos. Doch als wir das Ortseingangsschild von Durrës passierten, bekam ich ein Déjà-vu zum Vortag: „Papa, mir ist schlecht!“. Bevor ich irgendwie handeln konnte, war es auch schon geschehen. Die albanischen Schlaglöcher leisteten große Arbeit. Diesmal erwischte es den großen Jungen und mir rutschte natürlich das Herz in die Hose.

    Doch auch hier: Raus aus dem Bus, Sauerstoff in die Lungen, paar Minuten chillen – und der Motor lief wieder rund. Gott sei Dank. Unglaublich. Die 3-4 Stunden bis zum Anpfiff verbummelten wir bei trockenem Wetter und zweistelligen Temperaturen in der Stadt – zum Glück ohne weitere Zwischenfälle und später auch mit großem Appetit. Spazierengehen kann man gut in Durrës, mit dem Amphitheater oder der Promenade gibt es einige Fotomotive. Doch der albanische Kommunismus unter Enver Hoxha hat auch hier seine Spuren hinterlassen.

    Wie am Vortag gönnten wir uns für 5-6€ ein Taxi zum Ground. Das Niko-Dovana-Stadion wurde 40 Minuten vor dem Anpfiff großzügig von außen inspiziert, ehe es zum Kartenkauf ging. Hier bildete sich etwa 30 Minuten vor dem Beginn eine große Traube am Häuschen. Da viele Autos an der Kasse vorbeifuhren und nur wenig Platz zum Warten blieb, durfte ich mit den Kindern nach vorne und bekam sogleich den Grund für das Gewusel mitgeteilt: Kein Wechselgeld mehr im Häuschen. Da ich immer wieder auf die Kids einreden musste, konnte ich meine Muttersprache nicht verbergen und so fragte mich der Kassierer, wo ich herkomme. Nach der Antwort war nun plötzlich doch etwas Wechselgeld in der Kasse und mit einem Ticket für umgerechnet 3€ zogen wir zufrieden davon.

    Auch in Albanien macht der Fortschritt keinen Halt. Einige neue Arenen entstanden in den letzten Jahren und in der höchsten Klasse spielen die Teams teilweise auf Kunstrasen. Durrës ist da eine Ausnahme. Dort sieht alles noch aus wie in den 90ern, obwohl man ja erst letztes Jahr die U17-EM ausrichtete. Schöne Schüssel und es wurde noch besser. Vllaznia – mit Trainer Thomas Brdaric – war zahlreich angereist, doch die ersten Akzente setzten die Heimfans, die das Spiel mit Raketen-Kaskaden starteten. Shkodër konnte mit einem Sieg die Tabellenführung verteidigen und traf nach stürmischem Beginn auch früh zum 1:0.

    Es wurde bald ersichtlich, dass der Kampf von Teuta den Ausgleich zu erzielen zäh werden würde. Trotzdem warf sich der Meister von 2021 in jeden Ball und erspielte sich einige Chancen. Vllaznia blieb mit Kontern im Spiel. Doch richtig gefährlich wurde es hüben wie drüben nicht mehr. Abgesehen von einem Teil-Ausfall des Flutlichts kurz vor dem Ende, blieb der Notizblock leer. Und so kam es, dass sich das unumstößliche Highlight dieser Begegnung in der Halbzeitpause abspielte. Die Situation zwischen Shkodër- und Durrës-Fans schaukelte sich minütlich auf, bis zwischen Haupttribüne und Gästeblock Gegenstände durch die Luft flogen. Vllaznia griff schließlich zu rigiden Mitteln und bewarf den Heimanhang mit Fackeln, der die Bengalos postwendend wieder über den Zaun warf. Eine Halbzeitshow der „Kategoria Superiore“.

    Das Spektakel dauerte 2-3 Minuten, bis sich die Polizei dazwischenstellte. Die Aktion schien kein Novum gewesen zu sein, alle Beteiligten blieben nach der Nummer entspannt. Vllaznia hatte nach rund einer Stunde noch einen ganz guten Auftritt mit Blinkern und Fahnen im Repertoire und bereits weit vor dem Abpfiff packten beide Lager vorsichtshalber ihre Fahnen ein. Zuerst die „Djemt e Detit“ (Jungs vom Meer). Scheinbar wollten die Heimfans nochmal auf Konfrontation mit dem Gästeblock gehen. Ein Schlupfloch zur Haupttribüne wurde jedoch rechtzeitig von der „Policia“ versperrt.

    Und so blieben den Teuta-Jungs nur noch Pöbeleien aus der Ferne, während bei uns auf der Gegengerade das Tor versperrt wurde, um Vllaznia den sicheren Abzug aus der Stadt zu gewährleisten. Was freilich nicht ohne Beleidigungen und entsprechende Gesten über die Bühne ging. In Albanien heizt sich auch das normale Publikum schnell auf. Und obwohl das mit Sicherheit nicht ganz jugendfreie Szenen waren, die sich an diesem Abend in Durrës abspielten – langweilig wurde es nie. (mm)

    FK Partizani – AF Elbasani – 2:2

    FK Partizani – AF Elbasani – 2:2

    „LÄNDERPUNKT ALBANIEN? ZUM KOTZEN!“

    31.01.2026
    Kategoria Superiore
    Kompleksi Partizani
    Zuschauer: 1.000

    TIRANA – Wer mich kennt, der weiß, dass ich so 4-5 Monate meines Lebens in Nordmazedonien verbracht habe. Das liegt an Verwandtschaftsverhältnissen mütterlicherseits. 1994 als kleiner Schüler war ich das erste Mal im Land und es folgten noch zwei, drei Sommerferien als Kind sowie einige Wochen Aufenthalt ab dem 23. Lebensjahr. Trotz der geografischen Nähe zum Nachbarland Albanien war es mir nie vergönnt, den Sprung über die Grenze anzutreten. Immer wenn ich das Thema ansprach, fielen meiner Verwandtschaft die Augen aus dem Kopf. Das liegt an der moderaten Feindseligkeit zwischen beiden Ländern und generell an einem Reiseverständnis, das auf Deutsch gesagt nicht so wirklich vorhanden ist.

    Auch die Fußballspiele in Nordmazedonien kann ich an einer Hand abzählen. Beim vorletzten Mal saß ich beim Derby zwischen Strumica und Štip mit meiner ganzen Sippe auf der Tribüne. Inklusive Baby und meiner Mutter, was für meine einstige Austrägerin nach über 60 Jahren auf dem Buckel den Länderpunkt Nordmazedonien bedeutete. Genug über das Nachbarland schwadroniert, auch wenn mir in Albanien nicht selten bedeutet wurde, dass Mazedonien ja „eigentlich zu Albanien gehört“. Wie sympathisch. Aber Schwamm drüber: Den östlichen Teil um Strumica herum scheint man zumindest nicht annektieren zu wollen. Von daher sollte der Landstrich, in dem meine Mutter geboren wurde, nach den Streitigkeiten mit Griechenland, weiter in nordmazedonischer Hand bleiben.

    Um beim Länderpunkt Albanien vorzusorgen, buchte ich auch meine beiden Kinder für diese Reise ein. Mein ältester Sohn ist jetzt auch ein kleiner Schüler und so ein beweglicher Ferientag am Montag Gold wert. Im Schneetreiben ging es direkt nach der Schule zum Schwechheimer Airport, aber vor Ort lief alles glatt. Der erste Teil der 55€-Flüge landete am frühen Abend pünktlich in Tirana. Zusammen mit der Unterkunft, die man für schmale 27€ pro Tag schießen konnte, blieben die Fixkosten für diesen viertägigen Trip bei unter 250€ – für 3 Personen. Damit kann man arbeiten.

    Am Samstag ging es schließlich per Taxi zum Stadion von Partizani, das gut außerhalb liegt. „Was soll schon passieren?“, dachte ich mir, als ich mich auf dem Stadionvorplatz noch im Taxi in einer berühmten App für das Spiel „einloggte“. In dem Augenblick deutete der Taxifahrer auf den Rücksitz, wo mein jüngster Sohn eine Mimik mit Mund und Händen formte, die eindeutig war. Also angehalten und ein bisschen gespuckt, was sich zum Glück noch im Rahmen hielt und sicher der Husten-Attacke zuvor geschuldet war. Dasselbe wiederholte sich allerdings kurz vor dem Halbzeitpfiff. Ich war mit den beiden Buben schon überall unterwegs, aber in den Ground kotzen, das war nach hunderten von Spielbesuchen eine Premiere. Natürlich plagte mich das schlechte Gewissen. Länderpunkt Albanien? Zum Kotzen. Aber auch hier ging der Brechreiz wieder mit einem Husten-Anfall einher. Was hätte eine überstürzte Abfahrt schon gebracht? In solchen Situationen muss man erstmal Ruhe bewahren, habe ich in all den Jahren mit den Kindern gelernt. Fünf Minuten Pause auf meinen Oberschenkeln und dann lief der Kleine wieder heiter mit seinem großen Bruder durch die Reihen. Puh.

    Zuvor war man nach dem Ticketkauf nicht nur im prallen Gegenlicht gelandet, sondern auch auf der Tribüne, die beiden Fanlagern vorbehalten war. Das ging natürlich gar nicht. Also zum anderen Eingang, den man aber selbst mit Kinderbonus nicht betreten durfte. Zum Glück waren wir in Albanien, denn die Karte wurde am Ticketschalter einfach umgetauscht und auf die 500 Lek kam nochmal dasselbe oben drauf. Für die insgesamt 10€ Eintritt war man selig. Angekommen auf der Haupttribüne, konnte der Sonnenuntergang im Rücken und das herrliche Bergpanorama hinter der Gegenseite genossen werden.

    Alles richtig gemacht. Das dachte man sich spätestens, als der Elbasan-Mob in das Stadion einmarschierte. Der Gästeblock pickepackevoll und auch die Haupttribüne bestand mehrheitlich aus Besuchern der Gastmannschaft, die aus ihrer Abneigung gegenüber Partizani keinen Hehl machten. Top! Elbasan permanent auf Zinne und nach rund einer halben Stunde ging der Meisterkandidat sogar in Führung. Da Partizani im Gegenzug zu einer großen Chance kam, die der Elbasani-Torwart per Foul unterband, mussten die Gäste mit 10 Mann weiterspielen. Der Aufregung im Stadion tat diese Entscheidung freilich keinen Abbruch, auch wenn die Heimszene doch kleiner war als vermutet. Aus beiden Lagern flogen 90 Minuten diverse Gegenstände auf den Rasen. Immer weiter ging es, mit einem verschossenen Elfmeter bei Elbasan und dem Ausgleich für Partizani. Wenn es einen Fußballgott gibt, zeigte der sich sehr gnädig für die fast 32 Jahre Wartezeit in Sachen Länderpunkt.

    Mit der zweiten Kotz-Aktion des jüngsten deutschen Groundhoppers vor Ort, kühlte irgendwie auch das Spielgeschehen ab. Doch als der Junge wieder munter durch den Ground flitzte, kam das Spiel erneut in Wallung: Partizani gelang in einer Ballbesitz-Phase die Führung. Der Kick hatte noch einen Schockmoment parat: Kurz vor dem Ende kippte ein Heimspieler einfach um. Der Krankenwagen fuhr keine 20 Sekunden später über den Kunstrasen zum Verletzten – nach 5 Minuten ging es Gott sei Dank weiter. Dass Elbasani in der Nachspielzeit noch der Ausgleich gelang, ist eigentlich die Pointe dieser 90 Minuten. Angesichts der permanenten Geschehnisse rund um dieses Spiel, fand der Ausgleich schon fast keine Beachtung mehr. Absolut geiles Spiel, aber ich war auch froh das Ding über die Bühne gebracht zu haben. (mm)

    SC Heerenveen – FC Utrecht – 1:1

    SC Heerenveen – FC Utrecht – 1:1

    “ZWISCHEN LEMMER UND LANGEWEILE”

    01.02.2026
    Eredevisie
    Abe Lenstra Stadion
    Zuschauer: 22.555

    HEERENVEEN – Lange wurde mit Kollegen (tp) über mögliche Touren für den kommenden Sonntag philosophiert. Nachdem die Optionen Westfalia Rhynern – Sprockhövel sowie FC Einheit Wernigerode – Lok Stendal ins Wasser gefallen waren, entschied man sich schließlich für einen Ausflug ins Nachbarland.
    Das Spiel um 16:45 Uhr zwischen Heerenveen und Utrecht wirkte zwar selbst für niederländische Verhältnisse auf dem Papier recht trostlos, war zeitlich aber immerhin so angesetzt, dass ein Doppler problemlos möglich war.

    Mit einem zusätzlich gewonnenen Mitfahrer ging es schließlich über die Landesgrenze zum ersten Ziel: Lemmer. In der Snackbar „Snackresto Bij De Toer“ gab es leckere Snacks wie Frikandel Spezial, Kipcorn oder Mexicano sowie Fritten.

    Gut gestärkt ging es weiter zum VV Lemmer. Der Sportpark verfügte immerhin über eine kleine Tribüne. Der Kick in der zehnten Liga war torreich und endete mit 0:5 für die Gäste vom VV Wispolia.

    Knapp 30 Minuten nach Abpfiff des ersten Spiels befanden wir uns bereits im Erstligastadion des SC Heerenveen. Der Ground erinnert etwas an das fiktive FIFA-Stadion „Stade Municipal“, hebt sich in meinen Augen jedoch leicht von den sonst eher tristen Baukastenstadien ab. Ein positiver Faktor ist sicherlich, dass man sich frei im Stadion bewegen kann und problemlos von einer Tribüne zur anderen gelangt.

    Das Spiel selbst war dann genauso trist wie erwartet. Bei kalten Bedingungen erzielte Treskow in der 24. Minute das 1:0, was gleichzeitig den Halbzeitstand bedeutete. Der Ausgleich fiel neun Minuten nach Wiederanpfiff durch Karlsson. Abgesehen von einer VAR-Überprüfung wegen eines möglichen Elfmeters, der letztlich nicht gegeben wurde, hatte die Partie nichts Weiteres zu bieten.

    Fantechnisch waren die Utrecht-Fans besser als erwartet. Immerhin drei Schwenker wurden eingesetzt und auch der Support war ordentlich. Die Heerenveen-Fans setzten zwei Schwenker ein. In der zweiten Halbzeit wurde – wie so oft – mit einem Spruchband gegen Kollektivstrafen protestiert.

    Schlussendlich waren wir alle froh, als das Spiel beendet war und es im warmen Auto wieder nach Hause ging. (fj)

    Hamburger SV – FC Bayern München – 2:2

    Hamburger SV – FC Bayern München – 2:2

    „DIE LEDERHOSEN HÄNGEN AUF HALBMAST“

    31.01.2026
    Bundesliga
    Volksparkstadion
    Zuschauer: 57.000

    HAMBURG — Die Bundesliga hat sieben Jahre auf den Nord-Süd-Klassiker gewartet und im September war es in München wieder soweit. Vor dem Abstieg des Hamburger Sportvereins gab es in der Allianz Arena regelmäßig sehr eindeutige Ergebnisse, so auch im September. Mit dem 5:0 waren die Gäste noch sehr gut bedient. Wenn man sich die Statistik genauer anguckt, waren die Ergebnisse in Hamburg deutlich enger als in München. Dies war eigentlich auch die einzige Hoffnung der Hamburger, gegen die Übermacht aus München standzuhalten.

    Bei eisigen Minusgraden ging es ins ausverkaufte Volksparkstadion. Die Mannschaften wurden zum Warmmachen von ihren Lagern gefeiert und die Schickeria baute währenddessen ihre Choreographie auf. Auf Hamburger Seite gab es „nur“ ein großes Spruchband mit der Aufschrift „Verantwortung bleibt“. Ein Hinweis auf die Gedenkaktion für die Opfer des Nationalsozialismus. Als neutraler Beobachter ist dies für das erste Samstag 18:30 Uhr Heimspiel nach der Rückkehr in die Bundesliga ein bisschen dürftig. Aber beschweren will ich mich hier ausdrücklich nicht, denn die Ultras der Heimseite hatten letzte Woche ihr Derby auf St. Pauli und zauberten gleich zwei Choreographien hervor. Dazu muss man auch noch sagen, die Jungs machen dies in ihrer Freizeit und opfern viele Stunden, damit der Rest ein Foto knipsen kann.

    Somit sahen die Zuschauer ein großes FC Bayern Logo und dazu ein paar farblich passende Zettel. Leider verpassten ein paar Leute ihren Einsatz, wodurch die Choreographie ein bisschen unsauber aussah.

    Gepeitscht vom lautstarken Publikum kämpfte sich der Gastgeber in die Partie. Die Devise war, den Gegner mit vielen kleinen Nicklichkeiten zur Weißglut zu bringen und die Bayern nicht ins Spiel kommen zu lassen. Während auf der Nordtribüne quasi durchgehend ein paar Fackeln angezündet wurden, spielten die Hamburger stark auf. Nach 34 Minuten explodierte das Volksparkstadion das erste Mal. Remberg fädelte bei Kimmich sehr geschickt ein und Fabio Vieira traf vom Punkt. Die Freude hielt aber nicht lange, denn Harry Kane konnte acht Minuten später den Ausgleich erzielen.

    Die Fans im Gästeblock sahen das 1:2 direkt nach der Pause nicht, da die Schickeria eine gut organisierte Pyroshow aufs Parkett legte. Es gibt viele Hater gegenüber dieser Gruppierung, aber trotz der Probleme mit der Vereinsführung lieferten sie diese Saison optisch ab.

    Wer sich einige Spiele der Bayern anguckt, weiß, dass dieser Spielverlauf immer gleich abläuft. Bayern dreht das Spiel und gewinnt am Ende klar und deutlich. Nicht aber heute, denn der HSV hat ein Juwel in der Innenverteidigung. Luka Vuskovic räumt nicht nur hinten alles ab, sondern erzielt auch regelmäßig Tore. In Minute 53 köpfte er das Leder in typischer Stürmermanier in die Maschen. Extase im Volksparkstadion. Als „Kind der Bundesliga“ muss man eigentlich traurig sein, dass so ein guter junger Spieler nächste Saison zu 99,9 Prozent in der Premier League spielt.

    Mit der Euphorie des Tores erspielten sich die Hamburger noch ein bis zwei riesige Torchancen, aber Davies verhinderte das sichere 3:2 für die Gastgeber. In den letzten 20 Minuten spielten nur noch die Bayern, aber die HSVer warfen sich in jeden Ball und verteidigten das Remis mit Mann und Maus. Ein bisschen Glück war auch dabei, denn wenn der Schiedsrichter einen anderen Blickwinkel auf zwei Aktionen gehabt hätte, dann wäre für die Bayern auch ein Elfmeter in der Schlussphase drin gewesen.

    Unterm Strich ging das Remis aber in Ordnung. Der Sieger waren die Zuschauer im Stadion und vor den Bildschirmen, denn sie haben einen packenden Klassiker gesehen. So macht die Bundesliga Spaß.

    Nach dem Spiel gab es in den Katakomben noch ein paar völlig unnötige Aufreger von den Bayern Spezis aufgrund der „schlechten“ Schiedsrichterleistung. Die Kimmichs und Kanes sollten vielleicht mal lernen, mit einem Dämpfer umzugehen. Immer wenn sie nicht ihren Willen durchkriegen, wird geweint. Das verbessert den Eindruck auf die Bayern auch nicht. Seht es sportlich, die Lederhosen wurden nicht ausgezogen, sondern hängen nur auf Halbmast. (mb)

    VfL 08 Resse – DJK Blau-Weiß Gelsenkirchen (3:5)

    Moin und „Tach auch“ – wieder mal eine Winter-Woche fast geschafft. Am Sonntag ist der Januar Geschichte und auch wenn man das im Moment kaum glauben mag: Der Frühling kommt jeden Tag etwas näher! Aktuell ist an Amateurfußball kaum zu denken. Aber wenn es wieder so weit ist: Macht euch auf nach NRW!

    Am besten nach Gelsenkirchen. Aus der „Stadt der 1000 Feuer“ hatten wir schon einige Perlen im Portrait. Heute folgt eine weitere: Die „Bezirkssportanlage im Emscherbruch“ ist unsere BILDERBUCHBUDE DER WOCHE (84)!

    Der Ground befindet sich im Nordosten der Stadt und wird gleich von zwei Teams genutzt: Viktoria Resse 75 und VfL 08 Resse tragen im Emscherbruch ihre Heimspiele aus. Die BZA wird also jedes Wochenende bespielt. Lange dauert es nicht mehr und die Sonntage im Ruhrgebiet ergeben endlich wieder einen Sinn!


    08.08.2024
    BZA im Emscherbruch
    VfL 08 Resse – DJK Blau-Weiß Gelsenkirchen (3:5)

    Brentford FC – Nottingham Forest – 0:2

    Brentford FC – Nottingham Forest – 0:2

    “KOMPLETTIERUNG IM ZWEITEN ANLAUF”

    25.01.2026
    Premier League
    Brentforf Community Stadium
    Zuschauer: 17.134

    LONDON – Genau 24 Tage war es her, dass ich in London vor dem Stadion von Brentford stand, um zum Premier-League-Spiel gegen Tottenham ins Stadion zu gelangen.
    Das Ende vom Lied war, dass der Schwarzmarkt zu teuer war und ich ohne die Premier-League-Komplettierung nach Hause flog.

    Doch diesmal sollte es anders kommen.
    Sonntagsspiel gegen Nottingham Forest. Sofort wurde ein bekannter Groundhopper aus Berlin angeschrieben, der tatsächlich einen „Ticket-Kontakt“ zu den Bees hat.
    Nicht einmal eine Stunde später erhielt ich eine Zusage und buchte mir die Flüge. Dass ich erst um 04:00 Uhr wieder in Hamburg ankommen sollte, waren Probleme der Zukunft und bei einer Premier-League-Komplettierung nimmt man die Reisestrapazen gerne in Kauf.

    Pünktlich wie die Feuerwehr landete ich am Stansted Airport, und nach einer knapp zweistündigen Fahrt mit dem Flibco-Bus und der Tube war ich im Wetherspoon „in der Nähe“ des Stadions. Immer wieder beeindruckend, wie groß diese Stadt ist.

    Den Ticket-Kontakt traf ich etwa 20 Minuten vor Anpfiff an einem anderen Pub in unmittelbarer Nähe zum Ground. Schnell das Handy am Drehkreuz rüber gereicht, und schon war man drin.

    Der Neubau ist der absolute Kontrast zur früheren Heimat, dem Griffin Park. Traurigerweise habe ich das alte Stadion nur von außen beim Spotten gesehen. Die Corona-Pandemie hatte meine Tourpläne leider komplett ins Wasser fallen lassen, sodass die altehrwürdige Perle nie gekreuzt werden konnte. Nun steht hier zwischen Wohngebiet und Autobahn ein moderner, enger 17.000er-Ground. Zur 92 gehören eben nicht nur der St. James’ Park oder die Anfield Road.

    Im Stadion war es bekanntlich leise. Ein paar mitgereiste Fans aus Nottingham stimmten ihre Hymne „City Ground“ an. Noch einmal lauter wurde es nur bei den beiden Gäste Toren von Igor Jesus in der 12. und Awoniyi in der 79. Spielminute. Brentford FC versuchte, Stimmung zu erzeugen, indem der Gesang „Come on you Reds“ auf der Anzeigetafel eingeblendet wurde. Den Gesang „Is this a fire drill?“, den die Gäste beim Verlassen des Stadions von den Heimfans anstimmten, fand ich authentischer.

    Nach dem Spiel gönnte ich mir am Airport noch eine Wetherspoon-Lasagne und einen Komplettierungs-Cider, ehe mich das orangene und dann das grüne Hotel nach Hause befördern sollte. Ein spezieller Dank gilt allen, die mir durch Tickets etc. bei der Premier-League-Komplettierung geholfen haben. (fj)

    Union Brescia – AC Renate – 1:2

    Union Brescia – AC Renate – 1:2

    „FOOTBALL VIDEO SUPPORT – DIE HÄSSLICHE FRATZE ITALIENS“

    24.01.2026
    Serie C – Girone A
    Stadio Mario Rigamonti
    Zuschauer: 8.269

    BRESCIA — Am Freitag fror sich der Redakteur dieser Zeilen den Arsch im Millerntorstadion ab. Zehn Stunden später stieg ich als einer der letzten Passagiere in den easyJet Flieger, da es an der Sicherheitskontrolle etwas länger als erwartet dauerte. Pünktlich brachte uns das orangene Lieblingsobjekt nach Malpensa. Dort stand bereits der sehr kostengünstige Opel Crossland bereit, um die Reisegruppe nach Brescia zu bringen. Direkt am Stadion steuerten wir den Parkplatz am VIP Bereich an und fragten, ob wir unser Auto hier abstellen können.
    „Haben Sie einen Parkausweis für dieses Spiel?“
    Natürlich waren wir nicht im Besitz eines solchen. Nach einer kurzen Fragerunde sagte die nette Dame zu uns: „Heute könnt ihr ausnahmsweise hier parken, beim nächsten Mal benötigen wir aber ein Ticket.“
    Natürlich machen wir das, danke. Sie wird nie erfahren, dass wir wahrscheinlich nie wieder das Stadio Mario Rigamonti besuchen werden.

    Vor dem Stadion gönnten wir uns ein Panini mit Fleisch, gebratenen Paprika und Zwiebeln. Ein absoluter Hochgenuss. Gesättigt betraten wir das Stadion und begaben uns auf unsere Plätze. Positiv gestimmt freuten wir uns über den guten Support der Curva Nord. Dies ist nicht selbstverständlich, denn Union Brescia wurde erst am 17.07.2025 gegründet. Der ursprüngliche Klub Brescia Calcio konnte zum Saisonende die Gehälter nicht bezahlen, wodurch ihm vier Punkte abgezogen wurden, was gleichbedeutend mit dem Abstieg war. Aufgrund ausstehender Verbindlichkeiten und der anstehenden finanziellen Herausforderungen in der Serie C meldete Brescia Calcio Insolvenz an. Dies führte zur Auflösung des Vereins.

    Neugeboren als Union Brescia läuft es in der jetzigen Situation gut. Auch heute fingen die Boys in Blue stark an, bis Renate in der 25. Minute die Zuschauer mit dem 0:1 schockierte.

    Der wahre Schocker der Partie kam für uns in Minute 34. Der Trainer übergab dem vierten Offiziellen einen Brief und das Spiel wurde unterbrochen. Der Schiedsrichter kam vier Minuten später zurück, zeigte Gelb und gab Einwurf. Wir waren maximal verwirrt und auch die Zuschauer um uns herum schüttelten den Kopf. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten: In der italienischen Serie C wird seit der Saison 2025/26 der sogenannte Football Video Support getestet. Dieses Challenge System erlaubt den Trainern der jeweiligen Teams, zweimal pro Halbzeit eine strittige Situation anzufechten. Tore, Elfmeter, direkte Rote Karten und Spielerverwechslungen dürfen überprüft werden. Hat der Trainer Recht, behält er seinen Brief. Dies führt zu absurd langen Nachspielzeiten und zu Hass bei Fußballromantikern wie mir. Für mich ist dieses System ein absolutes No Go. Sind wir hier beim Tennis oder beim American Football? Dieser Schrott verbessert den Fußball nicht, er macht ihn unattraktiv und nervig. Fußball sollte Fußball bleiben und keine Telenovela vor einem 24 Zoll Fernseher werden. Wer gebannt auf einen Bildschirm starren will, soll sich die Highlights vom Dschungelcamp auf RTL reinziehen und nicht ein Spiel pfeifen und mit einem Brief zum Fernseher laufen, um eine Challenge zu überprüfen.

    Die Challenge, das Spiel zu drehen, klappte trotz Brief und Roter Karte gegen Renate nicht. Am Ende müssen sich die Gastgeber mit einer unglücklichen 2:1 Niederlage zufriedengeben.

    Trotzdem waren wir zufrieden, den Traum aus Stahlrohr besucht zu haben. Wenn man genau hinsieht, erkennt man das Rund hinter den Stahlträgern in der Ecke. Warum die Italiener so auf Stahlrohrtribünen stehen, weiß wahrscheinlich noch nicht einmal der Challenger. Aus Fansicht kann man nur hoffen, dass Brescia wieder zu alten Höhen zurückfindet und die Curva Nord ihre Jungs zukünftig wieder gegen Monza, Cesena oder Palermo anfeuern kann, denn die Serie C ist ein Haifischbecken für gestrandete Existenzen. (mb)

    1. FC Magdeburg – SG Dynamo Dresden – 1:2

    1. FC Magdeburg – SG Dynamo Dresden – 1:2

      „DYNAMO GEWINNT ELB-CLÁSICO“

      24.01.2026

      2. Bundesliga
      Heinz-Krügel-Stadion
      Zuschauer: 27.875

        MAGDEBURG – Das Derby zwischen den ehemaligen DDR-Größen 1. FC Magdeburg und Dynamo Dresden stand unter besonderen Vorzeichen. Beide Teams befanden sich mitten im Abstiegskampf. Zwischen dem Tabellen­vorletzten SG Dynamo Dresden und dem vierzehnten aus Magdeburg lagen vor dem Spiel lediglich vier Punkte. Zudem handelte es sich um das Samstagabend-Topspiel der 2. Bundesliga.

        Bevor es jedoch zum Klassiker an die Elbe ging, wurde sich der Abstiegs­konkurrent Fortuna Düsseldorf bei seinem Gastspiel an der Leine angeschaut. Nach einem versuchten Blocksturm der Gästefans kam es zu Stauungen am Eingangstor der Südkurve. Das Stadion konnte jedoch gerade noch rechtzeitig vor Anpfiff betreten werden. Die Fans vom Rhein fielen – wie schon oft in dieser Saison – mit einem ansprechenden Szenebild auf und zündelten nahezu durchgehend rote Fackeln und Rauch.
        Auf dem Rasen zitterte sich Hannover am Ende zu einem 2:1-Sieg.

        Nach dem Spiel wurde ich netterweise von einem Austria-Salzburg-Fan mitgenommen, der zum Hoppen in Deutschland unterwegs war. Nach einer Stärkung in einem italienischen Restaurant in Braunschweig kamen wir schließlich rund eine Stunde vor Anpfiff am Stadion des 1. FC Magdeburg an.

        Vor einigen Jahren hatte ich hier bereits meinen HSV im Gästeblock gesehen. Nun sollte der Ground allerdings noch einmal mit neutraler Brille gekreuzt werden. Und genau wie damals zeigte der Block U auch dieses Mal wieder eine sehenswerte Choreografie.

        Die Bereiche der Tribüne wurden aufgeteilt und bildeten durch eingesetzte Regenponchos ein blau-weißes Schachmuster. Der Spruch „FCM – unser Leben, so haben wir es gewollt“ rundete die Choreo ab. Wenig später leuchtete die gesamte Tribüne quasi auf Knopfdruck rot auf.

        Auch im Gästeblock gab es etwas fürs Auge. Unter dem Motto „Sachsen regiert“ zeigten die Dynamo-Fans eine riesige Blockfahne. Zu sehen war ein Dynamo-Krieger, der einen am Boden liegenden Magdeburg-Fan mit einem langen Schwert bedrohte. Die Mitmachquote war auf beiden Seiten überragend. Besonders deutlich wurde dies beim Einsatz der Schals sowie bei der zwischenzeitlich unfassbaren Lautstärke.

        Zwischendurch kam es zu diversen Provokationen: Leuchtraketen wurden in Richtung der benachbarten Magdeburger geschossen, außerdem wurden Gesänge wie „Wollt ihr mit uns spielen?“ oder „Schwuler FCM“ angestimmt.

        Einig war man sich allerdings in der Meinung zur Polizei. „ACAB“ („All Cops Are Bastards“) wurde im Wechselgesang skandiert. Grund dafür war offenbar ein als fragwürdig empfundener Polizeieinsatz.

        Salz in die Wunde streute schließlich das 1:2 durch Keller in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit, wodurch es mit einer knappen Gästeführung in die Kabinen ging.

        Kurz nach dem Seitenwechsel zündete auch Dynamo „auf Knopfdruck“ ordentlich Pyrotechnik in Form von Rauch und Stroboskopen, sodass das Spiel aufgrund der Nebelbildung kurzzeitig unterbrochen werden musste. Nach Wiederaufnahme der Partie gab es zwar noch weitere Torchancen auf beiden Seiten, ein weiteres Tor fiel jedoch nicht mehr. Somit konnte sich Dynamo für die 1:2-Heimniederlage im August des vergangenen Jahres revanchieren.

        Für mich war es nach den Spielen Chemie – Lok und Jena – Erfurt bereits das dritte Ost-Derby, und auch dieses Mal hatte es sich wieder gelohnt.
        Mal sehen, welches Derby als Nächstes besucht wird. (fj)

        FC St. Pauli – Hamburger SV – 0:0

        FC St. Pauli – Hamburger SV – 0:0

        „AUẞER SPESEN NICHTS GEWESEN“

        23.01.2026
        Bundesliga
        Stadion Millerntor
        Zuschauer: 29.083

        HAMBURG – Keine Punktlasten auf dem Dach und das Schneelastenbegrenzungskonzept spielte zum Glück keine Rolle mehr, obwohl sich auf dem Heiligengeistfeld noch große Schneetürme befanden: Das 113. Stadtderby zwischen St. Pauli und dem HSV konnte ausgetragen werden, trotz eisiger Minustemperaturen. 14 Tage zuvor waren beide Heimspiele der Hamburger Vereine dem Winter zum Opfer gefallen. Im Nachhinein wäre eine Absage vielleicht sogar die Rettung für das Derby gewesen, denn irgendwie hatten die kräftigen Minustemperaturen schon Einfluss auf das Spiel. Eine Austragung im März und die ganze Geschichte hätte vielleicht einen anderen Verlauf genommen.

        Dabei war alles angerichtet für einen schönen Fußball-Abend. Dank einiger „subunternehmerischer Tätigkeiten“ bei einem großen Hamburger Fußballmedium, das sich vor allem mit Marktwert-Analysen beschäftigt, durfte ich diesmal den „Ballsaal“ auf der Südtribüne betreten. Dort konnte man sich getrost die Jacke ausziehen und der Weg zum gepolsterten Sitzplatz war mit Delikatessen wie Pulled-Pork-Burgern und Königsberger Klopsen gepflastert. Die beiden Redaktionskollegen auf der Haupttribüne und im Gästeblock lieferten diesmal die besseren Fotos ab, froren sich aber den Arsch ab.

        10 Minuten vor dem Anpiff auf den teuren Plätzen angekommen, war ich plötzlich Teil der Pauli-Choreo. Daher ging es schnell an den Rand, auch wenn die Heim-Choreo verborgen blieb, war der Blick ins Stadion wieder hergestellt. Der HSV erzeugte ein Kurvenbild mit blau-weißen Elementen. Bei Pauli gab’s ein übergroßes Wappen und ein bisschen Feuer. Solide, aber für ein Derby eher Magerkost. Dasselbe galt für das Spiel. Verletzungspausen und behäbiges Aufbauspiel prägten den ersten Abschnitt. Plötzlich war eine halbe Stunde rum – und die Rivalen hatten die „Abtastphase“ noch immer nicht beendet. Beide Teams befinden sich in einer Formkrise und keine Mannschaft war willens, diese Krise zu beenden. Böse Zungen behaupten: Der Winterschlaf im Hamburger Fußball sei noch immer nicht beendet.

        In der zweiten Halbzeit wurde es aber tatsächlich besser. Die Choreos auf den beiden Hintertorseiten konnten überzeugen. Das schönere Bild gaben die Gäste ab, dafür krachte es bei St. Pauli im Block ein bisschen mehr. Auch auf dem Rasen schalteten die Akteure einen Gang höher. Es deutete sich ein Übergewicht vom HSV an, aber in der kurzen Druckphase erspielte sich die Polzin-Elf zu wenig zwingende Chancen. Daher ist es im Nachhinein wirklich kein Ruhmesblatt, dass die Rothosen mit ihrer ungefährlichen Dominanz die noch schwächere Kiezelf quasi aufbauten. Am Ende lag das Chancenplus bei St. Pauli. Aber alles nicht nennenswert. Das einzig gerechte Ergebnis lautete: 0:0. Die bittere Wahrheit, die vor dem Spiel schon herumgeisterte. Außer Spesen nichts gewesen. Nie traf dieser Spruch besser zu als an diesem Abend.

        Mit dem Abpfiff blieb das Stadion mucksmäuschenstill. Nach diesem Gekicke waren beide Fanblöcke sprachlos und vermutlich komplett durchgefroren. Irgendwie haben die Vereine zur Zeit mit sich selbst zu kämpfen. Bei dem fantasielosen Fußball und der Tabellensituation kein Wunder. Sollte am Ende zumindest ein Hamburger Erstligist den Gang in die Zweite Liga antreten, dürfte es beim Wettanbieter des Vertrauens keinen allzu großen Erlös für diesen Tipp geben. Das ist auch ok. Jetzt heißt es erstmal wieder: Kraft tanken und dann trifft man sich irgendwann zum Derby wieder. Wenn die Formkurve nach oben zeigt. Und es wieder wärmer ist. (mm)

        Billericay FC – Hashtag FC – 1-2

        Billericay FC – Hashtag FC – 1-2

        “HASHTAG: GAME ON”

        03.01.2026
        Isthmian League Premier Division
        New Lodge
        Zuschauer: 1.700

        BILLERICAY – In Southend steht ein hervorragendes Stadion. Zumindest, wenn man den Bildern von Europlan und Co. glauben darf. In Wirklichkeit dauerte mein Besuch in Southend allerdings gerade einmal eine gute Stunde. Denn gegen 12:30 Uhr wurde nach einer Platzinspektion bekanntgegeben: „GAME OFF – FROZEN PITCH“.

        Da mir bereits andere Spielorte an diesem Samstag bekannt waren, an denen es dieselbe Meldung gab, war ich auf eine Alternative vorbereitet. Bei der Auswahl mussten vor allem folgende Faktoren berücksichtigt werden: auf dem Weg in Richtung Portsmouth gelegen und ein Kunstrasenplatz mit Ausbau. Fündig wurde ich schließlich in Billericay, wo Futbology mir eine Ansetzung um 15:00 Uhr in der siebten Liga ausspuckte.

        Also ging es knappe 20 Minuten zurück in Richtung London, und schon war ich in der genannten Stadt. Und da auch diese über einen Wetherspoon verfügt, wurde direkt das nächste der über 800 „Spoon-Kreuze“ gemacht.

        Wenig später ging es dann zum „New Lodge“, der Heimat des Billericay Town FC.

        Schnell wurde klar, dass es die absolut richtige Entscheidung war. Tribünen auf allen vier Seiten, eine davon mit einem beeindruckenden Wandbild ausgestattet. Überall sind die verschiedensten Schilder zu entdecken. Ich weiß nicht, ob mir
        „PLEASE LEAVE QUIETLY WITH RESPECT FOR OUR NEIGHBOURS“,

        „Don’t be upset by the result you didn’t get with the work you didn’t do“

        oder:

        „NO ENTRY TO THE PITCH IF YOU ARE NOT WEARING THE CORRECT FOOTWEAR“
        am besten gefallen hat.

        Am beeindruckendsten war vermutlich die „Wembley Wall“, auf der die Spiele aufgeführt sind, bei denen der Klub im FA-Vase-Finale in Wembley stand.
        Von einem Wembley-Finale war man an diesem Tag zwar weit entfernt, gefallen hat es mir dennoch sehr, da sich bei mir eine gewisse Schwäche für den Non-League-Fußball entwickelt hat. Fast immer gibt es ein Vereinspub, in dem man seinen Cider bekommt. Und vor allem darf man diesen – im Gegensatz zu den Profiligen – auch auf der Tribüne trinken.

        Im Spiel konnten die Gäste mit dem kuriosen Namen Hashtag FC mit 1:2 gewinnen. Viel spannender war jedoch der Sonnenuntergang und der tief stehende Mond, der sich über einer der Tribünen blicken ließ.

        Insgesamt bedaure ich, dass der Platz in Southend nicht bespielbar war und erst um 12:30 Uhr feststand, dass nicht gespielt wird. Mehrere Fans hatten über 100 Pfund für die Auswärtstour investiert, ohne ein Spiel ihrer Mannschaft sehen zu können. Bei anderen Vereinen wurde sogar noch kurzfristiger abgesagt – teils erst kurz vor dem Anpfiff. Dennoch wurde das Beste aus der Situation gemacht, und ich weiß es zu schätzen, einen neuen Ground kennengelernt zu haben. Das macht das Hoppen aus. (fj)

        TJ Sokol Pátek – FC Crimmitschau

        Dobré ráno und herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe der BILDERBUCHBUDE DER WOCHE (83).

        Heute führt uns die Reise in die Nordböhmische Stadt Louny (🇨🇿).
        Hier im Velodrom, (auch Cyklistický stadion genannt) wo damals der SK Louny seine Spiele ausgetragen hat fand zu Silvester das wohl letzte Spiel statt.
        1950 überzeugte der Radrennfahrer Josef Klobása die Stadtverwaltung eine Rennbahn zu bauen, 1956 wurde die Radrennbahn eröffnet.
        In den Jahren 1957 und 1958 fanden Erneuerungen statt, ehe am 10.05.1958 die ersten Radrennen stattgefunden haben.
        Jetzt allerdings liegt das Velodrom brach und zerfällt nach und nach.
        Die Redaktion wünscht euch allen einen schönen Freitag und kommt gut ins Wochenende.


        31.12.2025
        TJ Sokol Pátek – FC Crimmitschau.
        Cyklistický Stadion Louny (Velodrom).

        RC Lens – AJ Auxerre – 1:0

        RC Lens – AJ Auxerre – 1:0

        „EISBEIN IN FRANKREICH“

        17.01.2026
        Ligue 1
        Stade Bollaert-Delelis
        Zuschauer: 38.083

        LENS – Das ganze Wochenende mit dem Ziel ein Abendspiel am Samstag in Brüssel zu verfolgen, wurde über den Haufen geworfen, als man die Ansetzungen der Ligue 1 entdeckte. Der aktuell besten Mannschaft Frankreichs wurde ein Heimspiel um 17 Uhr zugelost. Mit einem Sieg konnte Lens in der Tabelle wieder auf Rang 1 springen, nachdem PSG am Vortag durch einen 3:0-Erfolg zu Hause gegen Lille für eine Nacht die Tabellenführung übernahm.

        Bereits weit vor dem Spiel parkten wir unser vierrädriges Gefährt in der City von Lens. Da an diesem Samstag ein „Dreierhopp“ durchgeführt werden sollte, wurde die Lage vor Ort zwecks Parkplatzsuche vor dem Spiel schon mal inspiziert. Dabei ging man auch die Straße ab, in der Daniel Nivel 1998 von deutschen Hooligans folgenschwer verprügelt wurde. Nichts dort erinnert an den Vorfall von damals, trotzdem war man in den engen, schmuddeligen Gassen rund um den Bahnhof gedanklich irgendwie schnell wieder im Sommer 1998. Gänsehaut. Auch wenn der betreffende Straßenzug hinter der „Rue Romuald Provust“ mittlerweile abgerissen wurde.

        Mit ein paar Parkplatztipps im Kopf ging es anschließend rund 10km südlich nach Vimy. Hier rollte der Ball in der fünftklassigen National 3. Das Spiel hatte alles zu bieten, was ein hochklassiges Amateurspiel ausmacht. Leider auch gut 15 Minuten Nachspielzeit, die uns im Hinblick auf das Lens-Spiel etwas in Bedrängnis brachten. Abpfiff in Vimy gegen 16:30 Uhr, Ankunft in Lens um 16:43 Uhr. Parkplatz etwas „wildwest“, aber das bleibt in einer 35.000-Einwohner-Stadt mit einem Stadion für 41.000 Besucher sowieso nicht aus. Zu Fuß ging es schnellen Schrittes zum Stadion, die Wege hatten wir ja schon ausgekundschaftet.

        Doch in der Hektik passierten zwei Dinge: Beim Überholen einer Menschengruppe rutschte ich auf dem durchweichten Rasen aus und fiel auf die Seite. Die Hüfte tut immer noch weh. Der klassische Schmerz eines „Eisbeins“, das man früher bei Schulhof-Raufereien kassiert hat. So ähnlich wie pubertierende Jugendliche, verhielt sich auch das Publikum in Lens, das mich nach dem Sturz wirklich herzhaft ausjohlte, statt mal zu fragen, ob ich mich verletzt habe. Es ging schnell weiter zum Stade Bollaert, von einem Eisbein lassen wir uns in Frankreich nicht aufhalten. 10 Minuten blieben noch bis zum Anpfiff. Doch dort angekommen, landete ich in der falschen Schlange und wurde nach 2-3 Minuten mit dem Hinweis „zwei Mal links“ weggeschickt.

        Nun war die Verwirrung groß und guter Rat teuer, denn bei „zwei Mal links“ angekommen, war ich definitiv falsch. Auf dem Weg um das Stadion passierte ich riesige Einlassschlangen und im Innern wurde bereits die heiße Phase zum Einlauf der Mannschaften eingeläutet. In solchen Momenten läuft das Gehirn manchmal anders bei mir: Ich musste rein in das Stadion, koste es, was es wolle. Auf dem Weg zurück fiel eine Ecke hinter einem Imbisswagen auf, eigentlich wollte ich nur mal auf die Tribünen blinzeln und mir einen schnellen Überblick verschaffen, da erspähten meine Augen doch tatsächlich ein unverschlossenes Tor im Gitterzaun. Zack, war ich drin und hinter dem Rücken vom Ordner im Stehplatzblock verschwunden.

        Es war 5 vor 5 und die Anpfiff-Zeremonie fing kurz darauf an. Punktlandung und immerhin ein Happy End nach dem Sturz. So voller Adrenalin bemerkte ich das „Aua“ sowieso erst in der zweiten Halbzeit. Vielleicht hatten die Akteure auf dem Platz auch Schuld an dem Adrenalin-Abfall. Denn gerade von Lens kam im ersten Abschnitt einfach gar nichts. Jeder Ball in die Spitze war zu lang geraten und abgesehen von einem Schuss nach 5 Minuten, musste der Gästekeeper kein einziges Mal eingreifen. Der Vorletzte aus Auxerre mühte sich nach Kräften und konnte gut mithalten. Der Auswärtsblock war nahezu ausverkauft und die 90 Minuten supporteten die Auxerrois munter durch.

        Das Spiel war auch das Duell der Kleinstädte in der Ligue 1. In beiden Orten wohnen etwa je 35.000 Menschen. 38.000 davon verschlug es an diesem Tag ins Stade Felix-Bollaert-Delalis, das mit seinen vier Single-Tribünen unglaublich viel Größe ausstrahlt. Dank des falschen Blocks, in den ich geraten war, konnte ich die Gästefans nur im Seitenprofil sehen, dafür hatte ich den perfekten Überblick auf die Heimszene, die in drei Areas auf jeder Seite vertreten ist. Nur die Haupttribüne hat mit Support nicht so viel zu tun. Sehr löblich auch, dass auf den übrigen drei Tribünen im Unterrang gestanden wird – auch auf der Gegengeraden. Dementsprechend ist das Stadion permanent in Bewegung. Vorher galt es allerdings noch einen fünfzehnminütigen Stimmungsboykott zu überstehen, der auch in Frankreich dem Hang zu Kollektivstrafen geschuldet war. Pünktlich nach einer Viertelstunde wurde der Support mit einer Pyro-Show eröffnet. In der zweiten Halbzeit gedachten die „Red Tigers“ auf der Gegengerade mit ähnlichen Effekten zudem einem verstorbenen Mitglied.

        Auf dem Platz erwischte Lens nicht den besten Tag. Aber zusammen mit dem Publikum reichte es für zumindest eine erfolgreiche Aktion: Nach gut einer Stunde versenkte Wesley Saïd den Ball per Dropkick im Netz, ließ „Les Sang et Or“ jubeln und verhalf seinem Team zur Rückkehr auf Platz 1. 10 Spiele in Folge hat RCL nun gewonnen, 9 davon in der Ligue 1. Die Stadt wandelt auf dem Pfad von 1998. In diesem Schicksalsjahr verprügelten deutsche Hooligans nicht nur französische Gendarmen – Racing Lens gelang am Ende der Saison auch der Gewinn der bisher einzigen nationalen Meisterschaft in Frankreich. Punktgleich lag man vor dem FC Metz auf dem ersten Platz im Klassement. PSG wurde Achter, selbst Auxerre landete in der Abschlusstabelle damals vor dem Hauptstadtklub. (mm)

        Sporting Charleroi – Standard de Liège 2:0

        Sporting Charleroi – Standard de Liège 2:0

        „BELGIEN WIR LIEBEN DICH”

        18.01.26
        Pro League
        Stade du Pays de Charleroi
        Zuschauer: 13.623

        CHARLEROI – Nachdem Kollege (mm) bereits am Freitag nach Belgien fuhr, zog ich am Samstag nach und kreuzte mit Waregem den nächsten Ground in der “Pro League”. Am Abend trafen sich in Mouscron unsere Wege, wo sich mit Stade Mouscronnois der faktische Nachfolgerverein von Royal Excel in den bezahlten Fußball zurückkämpft.

        Am Sonntagmorgen wurde die Reisegruppe um drei Redakteure erweitert, die über Nacht aus Schwechheim mit dem “grünen Hotel” nach Brüssel kamen. Das passte super, denn bereits um 09.30 Uhr rollte in der Randgemeinde Saint-Josse-ten-Noode im “Stade Communal Georges Pètre” (sehr zu empfehlen!) der Ball.

        Das war jedoch nur der Auftakt für einen Sahnetag im Königreich. Anschließend fuhren wir in den Norden in die Kleinstadt Boom, die neben dem weltweit bekannten Festival “Tomorrowland” mit dem “Gemeentelijk Parkstadion” eine echte Groundperle bietet. Die Dichte an alten Stadien bei unseren Nachbarn und die hopperfreundlichen Ansetzungen sind einfach geweldig/magnifique/wunderbar, je nachdem wo man sich gerade im Land befindet. Die kleine Frituur mit nur einem Vierertisch als Sitzgelegenheit lieferte ebenso ab und im Prinzip war die Gruppe schon da hochzufrieden.

        Allerdings stand mit dem “Choc Wallon” das Highlight des Wochenendes noch bevor. Charleroi ist wahrlich keine Schönheit, doch auch hier gilt: je hässlicher die Stadt, desto mehr halten die Bewohner zu ihrem Fußballverein. Sportlich standen die “Zebras” eigentlich immer im Schatten der “Rouches”, die jedoch in den letzten Jahren nachgelassen haben. Charleroi zog unter der Woche ins Pokalhalbfinale ein und ging hoch motiviert in den wallonischen Kracher.

        Unterstützung von den Rängen gab es zunächst durch eine Choreo, womit die Ultras zum Gefecht riefen. Auf Seiten der 1.200 Gäste durften wir eine opulente Pyroshow mit Bengalos und jeder Menge Raketen bewundern, die auf jeden Fall derbywürdig war. Was für ein Start!

        Die Gastgeber spielten vom Anpfiff weg konzentriert nach vorne und nach gerade einmal sechs Minuten der erste “Choc”: Scheidler köpfte eine Flanke vom Deutschen Pflücke ins Netz und drehte an der Lautstärke. Wir waren auf der Gegengerade und besonders gefiel uns, dass im Anschluss die Normalos gerne in die Gesänge mit einstiegen. Insbesondere das “Aux Armes” schepperte ordentlich.

        Die “Zebras” blieben dynamisch und attackierten weiter. Das 2:0 leitete erneut Pflücke ein, dessen Pass Bernier mit einer tollen Einzelleistung veredelte. Schon da war klar, dass der gebürtige Dresdner “Man of the Match” sein wird. Von Standard kam auf dem Rasen so gut wie nichts. Deutlich mehr lief im Gästeblock: der Support ebbte nie ab und in der zweiten Halbzeit ploppten durchgängig Fackeln. Ebenso konnte sich das Kurvenbild sehen lassen, da gab es nichts zu mäkeln.

        Charleroi verpasste es trotz bester Chancen, die Partie endgültig zu entscheiden. Aber eigentlich wusste jeder im Stadion, dass da nichts mehr anbrennen konnte. In den letzten zehn Minuten stand die gesamte Gegengerade und in der Nachspielzeit machten die Ultras mit einer Pyroshow den Derbysieg quasi offiziell.

        Wirklich beseelt vom bisher besten Hoppertag in Belgien spulten wir die fast 650 Kilometer Rückfahrt nach Schwechheim wie auf Schienen ab. Dieses Land macht einfach immer wieder Spaß und natürlich kommen wir wieder! (hr)

        Brunei DPMM FC – Selangor FC – 2:5

        Brunei DPMM FC – Selangor FC – 2:5

        „ZUSCHAUERREKORD IM HASSANAL“

        10.01.2026
        Malaysian League Super
        Sultan Hassanal Bolkiah Stadium
        Zuschauer: 10.200

        BANDA SERI BEGAWAN – Bereits im November 2024 hatte ich das Königreich Brunei erstmals auf dem Zettel, verwarf die Pläne jedoch kurzfristig wieder, da der Länderpunkt ins Wasser zu fallen drohte. Die heimische, reine Amateurliga glänzt mit regelmäßigen Spielabsagen. Brunei DPMM FC – größter Verein im Land – spielte in der Singapore Premier League mit, musste seine Heimspiele jedoch häufig im Exil austragen, um Reisekosten und -wege der restlichen Vereine zu reduzieren. Der Wechsel in die malaysische „Liga Super“ zur Saison 2025/2026 bescherte dem Landboten endlich wieder verlässliche Termine. So wurde kurzfristig der AirAsia-Bomber aus Kuala Lumpur gebucht, um ein WE auf Borneo zu verbringen.

        Der deutsche Pass ermöglicht ein Visa on Arrival, es ist lediglich online eine Einreiseanmeldung vorzunehmen, wobei die Seite jedoch sehr verbuggt ist und man sich eine Weile fragt, ob die Übermittlung denn nun geklappt hat. Der Flug schaffte es dann dank starker Gewitter und Regenfälle in die Top 3 der unangenehmsten Landungen. Im dritten Anlauf schaffte es der Kapitän, den Vogel sicher zu landen. Die Einreise lief anschließend problemlos und kostete kaum Zeit.

        In Brunei erfolgt die Fortbewegung leider nicht mit dem geliebten „Grab“. Wer die teure Taximafia umgehen will, nutzt die App „Dart“. Busse fahren nur sehr unregelmäßig oder fallen ganz aus, da sie von Einheimischen kaum genutzt werden. Es besitzt einfach jeder seine eigene Kutsche im Ölstaat.

        Auf dem Weg zum Hotel gab es dann leider die erste Hiobsbotschaft: Der geplante Freitagsdoppler fiel dem Regen zum Opfer. Zumindest kommunizierte „Liga Brunei“ auf Instagram zeitnah die Absage, was die Anreise ersparte. Da der Regen weiterhin nicht aufhören wollte, wurde im sehr zu empfehlenden „Higher Hotel“ die Zeit zum Schuhe­trocknen genutzt und später noch der Kollege (tp) gebührend empfangen, der einen anderen Flieger nach Borneo wählte.

        Samstag zeigte sich das Königreich dann von einer ganz anderen Seite. Die Sonne dominierte die Lage schon früh am Morgen und von Regen keine Spur. So wurde der Tag ausgiebig mit Sightseeing verbracht. Das Highlight war eine 1,5-stündige Fahrt mit dem Wassertaxi. Unser Top-Lad-Kapitän führte uns zu abgelegenen Mangrovenwäldern, wo sowohl Nasenaffen als auch Krokodile gesichtet werden konnten – ein Highlight für den Mitteleuropäer, der Zoos meidet. Zum Abschluss fuhren wir durch Kampong Ayer, das sogenannte Klein-Venedig: Ein Stadtteil von Banda Seri Begawan, der auf dem Wasser errichtet wurde.

        Bewusst hungrig ging es dann zum abendlichen Highlight, dem 16. Spieltag der Malaysian League Super. Bereits 2,5 Stunden vor Spielbeginn kamen wir am Stadion an, um uns ausgiebig durch die vielen Streetfoodstände zu probieren. Mehr hierzu im in Kürze erscheinenden Sonderteil #schwechheimisst.

        Brunei DPMM FC spielte bereits bis 2009 einige Jahre im malaysischen Verband, bevor der Wechsel nach Singapur erfolgte. Bereits in den Jahren 2017-2025 gab es trotz sportlicher Erfolge (u. a. zweifacher Meister) mehrfach Versuche, der indonesischen oder auch malaysischen Liga erneut beizutreten. Dies scheiterte jedoch häufig an der Local-Player-Regel: Spieler aus Brunei wären unter die Ausländerregel gefallen und hätten nur begrenzt eingesetzt werden dürfen. Da nach der letzten Saison zwei Vereine aus finanziellen Gründen in Malaysia kein Team mehr für die erste Liga meldeten und dem Verband somit die Vereine ausgingen, wurden die Regelungen etwas gelockert. Einzige Bedingung für die Austragung der Heimspiele in Brunei war, dass sämtliche Reisekosten der Gastvereine getragen werden müssen. Da dem Kronprinzen sowohl der Verein als auch die staatliche Airline gehören, war dies wohl kein Hindernis.

        Der Rekordmeister und heutige Gast aus dem Klang Valley, Selangor FC, entpuppte sich als wahrer Zuschauermagnet. Über 10.000 Zuschauer sind zumindest in dieser Saison ein Rekordwert. Brunei, sehr holprig in die Saison gestartet (u. a. mit einer 0:10-Niederlage beim Plastikclub Johor), performt mittlerweile besser, war jedoch in diesem Spiel den favorisierten Gästen deutlich unterlegen, und das 2:5 auf der Anzeigetafel bildete den Spielverlauf gut ab.

        Die Gäste wurden von ca. 400 Awayfans begleitet, wobei auch „ultrasel“, der wohl beste Ultrahaufen des Landes, mit gut 100 Schlachtenbummlern vertreten war. Dank der kürzlichen sportlichen Neuaufstellung im Verein, beendete man auch den fast drei Monate andauernden Stimmungsboykott – zur Freude beider Redakteure. Solltet ihr mal im Raum Kuala Lumpur unterwegs sein und die Wahl zwischen Kuala Lumpur City und Selangor haben, wählt immer die Jungs aus Shah Alam. Die Kurve ist an guten Tagen wirklich sensationell.

        Abschließend bleibt noch zu erwähnen, dass es Gerüchte gibt, die einen Wechsel zurück in die Singapore Premier League zur neuen Saison prophezeien, da sich DPMM von den Schiedsrichtern benachteiligt fühlt. Angesichts des Zuschauerschnitts halten wir diesen Schritt jedoch für unwahrscheinlich. Brunei hat definitiv Bock auf Heimspiele.
        (CvS)

        Club Brugge KV – RAAL La Louvière – 2:3

        Club Brugge KV – RAAL La Louvière – 2:3

        „BRÜGGE SEHEN… UND GLEICH WIEDER ABHAUEN!“

        16.01.2026
        Pro League
        Jan-Breydel-Stadion
        Zuschauer: 24.013

        BRÜGGE – Das Wochenende am Freitag startete in Brügge. Eine gern genommenes Ausflugsziel für Touristen aus aller Welt. Auch für mich war es nicht der erste Besuch in der Stadt, die seit dem Jahre 2000 zum „UNESCO-Weltkulturerbe“ zählt. Von dem kulturellen Wert der Altstadt konnte ich mich vor 10 Jahren überzeugen, als vor dem EM-Gruppenspiel der Deutschen gegen die Ukraine in Lille lieber in Brügge genächtigt und die Europameisterschaft mit ein paar Kannen „Straffer Hendrik“ eingeläutet wurde.

        Ein Besuch beim Club Brügge blieb bisher aus. Das Spiel gegen La Louvière bildete den Jahresauftakt in die Pro League. Obwohl ja bis kurz vor Silvester gegen den Ball getreten wurde, gönnte sich Belgien eine kleine Winterpause und legte dann wieder mit dem Pokal los. Der komentenhafte (Wieder-)Aufstieg von La Louvière wurde letztes Jahr mit dem Durchmarsch in die Pro League gekrönt. Noch 2022 fand sich der Verein, der 2009 fusioniert war und die Heimspiele teilweise in Charleroi austrug, in der viertklassigen 2. Division wieder. Für die Fanszene aus La Louvière um die Hauptgruppen „Wolf Side“ und „Green Boys“, steht in diesem Jahr also die erste Saison in der Eliteliga seit 20 Jahren auf dem Programm. Und die Jungs aus La Louvière erschienen zahlreich – komplett in Schwarz gekleidet, wie man es aus vorangegangenen Spiele schon kannte.

        Der „FC Brügge“, wie der 1891 gegründete Verein mit der Stammnummer 3 gerne in Deutschland genannt wird, verabschiedete sich mit 3 Liga-Siegen in Folge und auf Platz 2 in die Winterpause. Im Pokal war in Charleroi unter der Woche Endstation und die Kritik der heimischen Presse fiel harsch aus. Dieser Eindruck setzte sich im Jan-Breydel-Stadion fort, das gut besetzt war, aber eine Stimmung wie beim Kaffeekranz mit Tante Mathilde verbreitete. Die „North Fanatics“ schliefen beim Support fast ein und überhaupt besteht der Kern der harten Fans hinter dem Tor nur aus ein paar dutzend Leuten – zumindest bei diesem Spiel. Ein Kaffeetrinker-Publikum, das an die Pendants in den Niederlanden erinnert. Dabei war die „North Side“ zusammen mit den Jungs aus Den Haag ja praktisch in den gesamten 90er-Jahren in aller Munde. Das war die erste Enttäuschung des Abends.

        Die zweite Enttäuschung folgte auf dem Rasen, wo La Louvière als Kellerkind sehr engagiert auftrat, dann aber nach einem Doppelschlag aus dem Nichts 0:2 hinterlag. Brügge war mit den ersten beiden Chancen in Führung gegangen und tat dann gar nichts mehr für das Spiel. Das zweite Tor erzielte Romeo Vermant, der auch kürzlich für die Nationalmannschaft debütierte. Ein Blick auf seinen Geburtsort Gelsenkirchen lässt die Familienhistorie erahnen: Vater Sven Vermant dürfte bei Schalke 04 noch in guter Erinnerung sein. Der Wendepunkt der Partie dann jedoch in der 39. Minute, als der Equadorianer Joel Ordóñez nach einem VAR-Entscheid vom Platz gestellt wird und für kurze Zeit im Publikum sogar mal sowas wie Hass mitschwingt.

        Im zweiten Abschnitt belagern die Gäste lange Zeit den gegnerischen Strafraum, bis nach einer guten Stunde der Anschlusstreffer fällt. Es entwickelt sich das typische Fußballspiel, in dem die zurückliegende Mannschaft auf den Ausgleich drückt. Das 2:2 gelingt um die 80. Minute herum und die Körpersprache der Heimelf lädt La Louvière anschließend ein auf Sieg zu spielen. Den Rest besorgt Reservekeeper Nordin Jackers, als er kurz vor Schluss durch den Strafraum geistert und den Gästen tatsächlich noch der Auswärtssieg gelingt. Torwart-Legende Simon Mignolet fällt aktuell verletzt aus und die etatmäßige Nummer 2, Dani van den Heuvel, musste das Spiel im ersten Abschnitt verletzungsbedingt verlassen.

        Zu oft gelingt den Favoriten mit Verwaltungsfußball der knappe Sieg. An diesem Abend hat der Verein, dem zuletzt der märchenhafte Aufstieg in die höchste Liga glückte, eine neue Episode geschrieben und mit dem unvorhergesehen Ausgang dieses Spiels für ein versöhnliches Ende gesorgt. La Louvière – der Lichtblick an diesem düsteren Ort mit seinem verwöhnten Publikum. Das an und für sich schmucke Jan-Breydel-Stadion mag im Hellen etwas mehr begeistern. Für uns hieß es nach 90 Minuten, angelehnt an den Filmklassiker von Martin McDonagh: Brügge sehen… und gleich wieder abhauen! Colin Farrell wäre sicher stolz auf uns gewesen.

        Das galt aber nur für den Fußball. Die Altstadt um das Weltkulturerbe ist nach wie vor unbedingt sehenswert und begeistert sowohl am Tag als auch in der Nacht. (mm)

        Portsmouth FC – Arsenal FC – 1:4

        Portsmouth FC – Arsenal FC – 1:4

        „THIS IS THE FA CUP“

        11.01.2026
        FA Cup
        Fratton Park
        Zuschauer: 20.611

        PORTSMOUTH — Am Samstag brachte uns British Airways pünktlich nach London. Dort gab es im Wetherspoon ein paar leckere Kaltgetränke und im Tagesverlauf auch zwei neue Grounds. Weitere Infos über den Tag gab es am Mittwoch im Bericht zu Charlton vs. Chelsea zu lesen.

        Am Sonntag öffneten sich die kleinen Äuglein um acht Uhr, da wir heute ein paar Meter gen Süden machen wollten. Pünktlich um neun Uhr standen wir bei Avis vor der Tür, um unseren Leihwagen abzuholen. Der Verkäufer wollte uns natürlich über den Tisch ziehen und behauptete in seinem „Paperwork“, dass ich einer zusätzlichen Versicherung zugestimmt hätte. Bei der Auflistung der Kosten fiel mir dies jedoch sofort auf und konnte entsprechend „korrigiert“ werden. Kurze Zeit später saßen wir in der Mistkarre und fuhren mit zwei kleinen Umwegen nach Portsmouth. Es ist natürlich immer suboptimal, wenn das Navigationsgerät kurz vor einem Autobahnkreuz ausfällt. Trotzdem kamen wir zeitig in Portsmouth an, parkten das Gefährt mit vier Reifen in einem Parkhaus und klapperten ein paar Spots ab. Per Uber ging es dann schlussendlich aus dem Pub zum Fratton Park.

        Vor Ort tauschten wir unsere vier QR-Codes aus dem General Sale gegen eine Gebühr von drei Pfund in Hardtickets um und bewegten uns in den legendären Fratton Park. Nach einer kurzen Verwirrung auf der Tribüne saßen wir schließlich auch auf unseren Plätzen. Der gute Ordner konnte nicht lesen und schickte uns zunächst in den Lower Stand, obwohl wir Tickets für den Oberrang hatten. Schwamm drüber, denn drei Minuten später explodierte der Fratton Park: Der Zweitligist konnte sensationell das 1:0 gegen den Tabellenführer der Premier League erzielen. Die Freude hielt jedoch nicht lange, denn fünf Minuten später erzielte Arsenal durch ein Eigentor den Ausgleich zum 1:1. Die rund 3.000 mitgereisten Fans jubelten und wollten die Heimfans verspotten. Das kam natürlich nicht gut an, sodass es für den neutralen Beobachter einige lustige Gesänge in Richtung der Gäste gab.
        Auf dem Rasen hatte die Blue Army allerdings nichts mehr zu feiern, denn die Gunners zeigten eindrucksvoll, warum sie momentan das beste Team in England sind. Die Jungs können schon gut zocken. Somit nahm der Spielverlauf nach dem kurzen „Hoch“ seinen erwarteten Lauf. Trotzdem blieb das Stadion – wie sonst in England – nicht ruhig. Jede Aktion wurde kommentiert und gestikuliert. „You are a wanker“ war dabei einer der netteren Sätze, die in Richtung der Spieler und des Schiedsrichters fielen. Wir haben uns gut amüsiert und alles gefeiert.

        Unterm Strich war das Spiel um 15:53 Uhr vorbei und wir fuhren ohne Probleme zurück nach London. Am Airport trafen wir unseren Reporterkollegen FJ, der von der Isle of Man nach Heathrow gereist war. Mister FJ war ganz gespannt auf unseren Bericht aus der Hafenstadt, da er bereits drei Touren nach Portsmouth gebucht hatte, die alle ins Wasser fielen – zuletzt erst letzte Woche aufgrund eines „frozen pitch“. Da hilft nur ein leckeres Cider am Airport! Mit 45 Minuten Verspätung ging es dann für uns mit der „Standby Crew“ zurück nach Schwechheim.

        Im Flieger schwelgten wir in Erinnerungen an diesen tollen Trip in England. Der FA Cup ist es einfach: Bei den Partien Klein gegen Groß sind die Fans lautstark dabei und pushen ihre Spieler nach vorne. Wäre es in der Liga auch so, hätten viele Redakteure eine ganz andere Meinung zur „Insel“. Es ist nicht immer eine Library – manchmal wird aus der alten Bibliothek auch ein Tollhaus mit vier uralten Stands und ordentlich Gepöbel. (mb)

        Lüner SV – SV Hohenlimburg (2:3)

        Herzlichen willkommen zur BILDERBUCHBUDE DER WOCHE! In der 82. Ausgabe unserer beliebten Kategorie melden wir uns aus Deutschland zurück! Bevor der hiesige Amateurfußball unter der aktuellen Schneedecke völlig in Vergessenheit gerät, gibt es einen Schwenk in die Landesliga Westfalen. Hereinspaziert in die ehrwürdigen „Kampfbahn Schwansbell“, wo der Lüner SV seine Heimspiele austrägt.

        Der Spielort wurde im Jahre 1952 errichtet und erlebte in den 1960er- und 70er-Jahren legendäre Spiele. In der zweitklassigen Regionalliga West empfing der LSV unter anderem Borussia Dortmund zum Punktspiel. Viel verändert hat sich in der Kampfbahn seitdem nicht. Vor etwa 15 Jahren gab es eine kleine Frischzellenkur für das Stadion, aber die schiefen Stufen und die Tribüne aus jener Zeit sind geblieben.

        Ein echter Geheimtipp im dichtbesiedelten NRW, der viel zu selten genannt wird, wenn es um die Groundperlen im Ruhrgebiet geht.


        06.10.2024
        Lüner SV – SV Hohenlimburg (2:3)
        Kampfbahn Schwansbell

        Onchan AFC – Ayre United – 6:1

        Onchan AFC – Ayre United – 6:1

        “ROTES LICHT – GRÜNES LICHT”

        10.01.2026
        Isle of Man Football League
        Nivision Stadium
        Zuschauer: 50

        DOUGLAS – Es ist Freitag, der 09.01.2026. Der Schulunterricht ist abgesagt. Eine große Boulevardzeitung spricht von Lebensgefahr und rät dringend dazu, unbedingt zu Hause zu bleiben.
        Zuhause zu bleiben wäre für mich jedoch nur dann eine Option gewesen, wenn mein Freitagabendflug von Hamburg nach Manchester gestrichen worden wäre. Und nachdem ich in der Woche zuvor bereits zwei Spielabsagen erlebt hatte, wäre es die sprichwörtliche Kirsche auf der Sahne gewesen, wenn auch dieser Plan nicht hätte realisiert werden können.

        Doch es kam anders. Das Unwetter war letztlich nicht so dramatisch, und mit nur einer halben Stunde Verspätung brachte mich die Airline meines Vertrauens auf meine Lieblingsinsel: England. Dieses Mal sollte es allerdings nur ein Zwischenstopp sein. Weniger als zehn Stunden nach der Landung in Manchester saß ich bereits im Flieger von Liverpool zur Isle of Man. Mit rund 25 Minuten Flugzeit dürfte es mein bislang kürzester Flug gewesen sein.

        Nach der Ankunft auf der Isle of Man wurde der Tag zunächst im 2025 eröffneten Wetherspoon geplant. Gerne wäre ich mit der Isle of Man Steam Railway gefahren, doch die Fahrzeiten sind leider nur von März bis November. Stattdessen spazierte ich ein wenig an der Küste entlang. Von Douglas bis Onchan benötigte ich etwa 45 Minuten, und unterwegs gab es einiges zu fotografieren. Besonders beeindruckend fand ich die Steilküste direkt am Meer.

        Der Ground des ersten Spiels des Tages war nicht mehr weit entfernt. So schaute ich bereits einige Stunden vor dem Anpfiff vorbei, um herauszufinden, ob das Spiel tatsächlich stattfinden würde. In einer Werkstatt, die zum Stadion gehört, fragte ich einen Mitarbeiter nach Informationen. Er rief schließlich einen Kollegen an, und die Anstoßzeit um 14:00 Uhr wurde bestätigt. Genug Zeit also, um mir weiterhin ein Bild von der Umgebung zu machen.

        Nach einem Spaziergang in der Natur war ich etwa eine Stunde vor Spielbeginn zurück im Stadion. Die Eckfahnen wurden aufgestellt, die Spieler wärmten sich auf. Dem Länderpunkt – ob er nun einer ist oder nicht – stand nichts mehr im Weg.
        Ziemlich erleichtert setzte ich mich auf die Tribüne und genoss einfach den Ort. Von der Haupttribüne an der Seitenlinie hat man nicht nur einen tollen Blick auf die alte Tribüne, die sozusagen das Herzstück des Stadions ist, sondern auch die beste Sicht auf die Irische See.

        Doch damit nicht genug: Das Nivision Stadium, mitten im Onchan Park gelegen, ist wirklich außergewöhnlich. Rund um den Platz liegen mehrere Autoreifen, dahinter befindet sich eine Radrennbahn beziehungsweise eine Speedway-Strecke. Hier wurde sogar schon eine Rad-Weltmeisterschaft ausgetragen. Heute finden neben Fußball auch Stockcar-Veranstaltungen statt. Entlang der Bahn stehen überall mehr oder weniger demolierte Fahrzeuge sowie mehrere Ampeln.

        Die Ampel für den heutigen Kick zeigte glücklicherweise Grün, und das Spiel der Isle of Man Football League wurde pünktlich angepfiffen. Das Niveau der Liga ist klar auf Amateur-Ebene angesiedelt. Alle Teams stammen von der Isle of Man, sogar auf Linienrichter wurde bei diesem Spiel verzichtet. Die Partie begann zunächst ausgeglichen, entwickelte sich jedoch schnell zu einer klaren Angelegenheit. Am Ende stand ein deutliches 6:1 für den Gastgeber.

        Nach dem Spiel stärkte ich mich erneut im Wetherspoon, bevor es weiter zu „The Bowl“ ging, der Heimat des FC Isle of Man. Dieser Verein ist – im Gegensatz zu den anderen Teams der Insel – an das englische Ligasystem angebunden und spielt in der North West Counties Football League Division One. Die meisten Spieler stammen ebenfalls von der Isle of Man, spielten zuvor bei kleineren Vereinen und treten nun auf einem höheren sportlichen Niveau an. Der Endstand in diesem aus meiner Sicht sehr „sterilen“ Stadion lautete 0:1 aus Sicht der Gastgeber gegen den Burscough FC.

        Insgesamt war es ein schöner Ausflug auf die Insel. Empfehlenswert ist es allerdings, länger als nur einen Tag zu bleiben, um noch mehr von der Isle of Man zu sehen. Aus Zeitgründen musste ich allerdings schon am Sonntagmorgen den Rückweg antreten.
        Leider wurden mir durch den Sturm Steine in den Weg gelegt und der Flug wurde gestrichen. Also schnell zum Schalter. Entweder Manchester oder London-Heathrow. Da mein Anschluss in Manchester ohnehin nicht mehr zu erreichen war, wurde es Heathrow. Mein erster Flug mit einer Propellermaschine dauerte knapp 90 Minuten, und schon war ich in Heathrow.

        Da an diesem Wochenende eigentlich ein FA-Cup-Wochenende geplant war, hatte ich tatsächlich noch einen Rückflug von Heathrow nach Hamburg in der Tasche. Kurz noch im Wetherspoon in Terminal 5 einen Cider getrunken und dort die Landboten-Besatzung getroffen, die am Wochenende das FA-Cup-Programm durchgezogen hatte. Mit etwas Verspätung hob der BA-Airbus dann aber schließlich nach Hamburg ab. (fj)

        Charlton Athletic FC – Chelsea FC – 1:5

        Charlton Athletic FC – Chelsea FC – 1:5

        „THE ADDICKS MACHEN DAS FLUTLICHT AN“

        10.01.2026
        FA CUP
        The Valley
        Zuschauer: 26.475

        LONDON – Charlton Athletic gegen Chelsea, das ganz große Los am Samstagabend der 3. Runde des FA Cups. Das erste FA-Cup-Spiel für beide Londoner Klubs in diesem Jahr. Denn: Dritte Runde FA Cup bedeutet zugleich erste Runde für die Erst- und Zweitligisten. In England werden die ersten Runden ohne die Profis ausgetragen.
        Eigentlich eine klare Sache, dachte ich mir: Charlton wird ordentlich auf die Mütze bekommen. Die Restchance auf ein wirklich attraktives und spannendes Fußballspiel bestand dennoch. Aus diesem Grund bemühte ich mich rechtzeitig, an Tickets für diese Partie zu kommen. Problemlos konnte über ein bis zwei verschiedene Kontakte ein Mitglied von Charlton Athletic ausgemacht werden. Für das Spiel wurde recht schnell ‚Sold-Out‘ gemeldet, umso glücklicher war unsere Reisegruppe, dass wir die Tickets in den Händen hielten. Und damit noch nicht genug: Es sollte sich wirklich lohnen.

        In der ersten Halbzeit kämpfte Charlton Athletic um jeden Ball. Chelsea klar besser, war mit 74 % Ballbesitz die dominierende Mannschaft. Dennoch: Der Kampfgeist der Addicks war einfach ausgesprochen hoch. Die gesamte erste Halbzeit schafften sie es, kein Gegentor zuzulassen. Ein, zwei gute Chancen hatten sie selbst, aber das Durchdringen der Defensive von Chelsea war dann schon der Knackpunkt. In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit passierte es dann doch noch: Hato traf in der 49. Minute zum 1:0 für Chelsea.

        Die Stimmung war überragend. Es war ein Flutlichtspiel, das den Rahmen würdigte. Beide Seiten, vor allem die von Charlton Athletic, feuerten ihre Mannschaft durchgehend an. Hier passte wirklich alles: Spektakulärer Ground, das Flutlicht war an, ein schnelles, attraktiv Spiel und sehr gute Stimmung. Das bekommt man in England nicht alle Tage. Aber wenn all diese Komponenten aufeinandertreffen, dann macht es einfach nur Spaß auf der Insel.
        Der Spaß, zumindest für Charlton Athletic, war allerdings schnell vorbei. Bereits in der 50. Minute traf Adarabioyo zum 2:0 für Chelsea. Nun hörte man den Away End etwas deutlicher – aber nicht lange. In der 57. Minute traf Leaburn für Charlton – Anschlusstreffer. Die Stimmungslage kippte schnell, die Athletic-Fans drehten durch, Chelsea wurde ganz leise. Aber auch dieser Zwischenstand erwies sich als äußerst unkostant: Nur fünf Minuten später traf Guiu für Chelsea. 3:1 – erst mal kurz durchatmen. Man merkte den Leuten um uns herum die Anspannung förmlich an, aber auch ich selbst fieberte für Charlton mit.

        Irgendwie finde ich den Ground „The Valley“ schon seitdem ich mich mit Groundhopping auseinandersetze, sehr cool. Das Vereinslogo mit einem Schwert in der Mitte setzt dem Ganzen noch die Krone auf. In London habe ich in den ersten vier Ligen nun fast alle Vereine besucht. Auf das Spiel bei Charlton Athletic freute ich mich schon ewig und irgendwie passt hier einfach alles vor Ort. Bereits vor dem Spiel habe ich mir bei einem Fanshop am Straßenrand eine Mütze für 15£ besorgt. Zuletzt habe ich mir einen Fanartikel im Spätherbst ’24 bei Hajduk Split gekauft, davor wahrscheinlich fünf, sechs Jahre nirgendswo. Ich sammle schließlich Stadien und keine Fanartikel. Aber alle paar Jahre muss auch ich zuschlagen, wenn es mir so richtig gut gefällt. So ein Tag war nun mal wieder bei Charlton Athletic gekommen – einfach schön hier im Bezirk Greenwich!

        Zwei Tore Abstand – geht hier noch was?
        Eine halbe Stunde ist immerhin noch zu spielen, dachten sich die meisten Leute um uns herum. Sie hörten einfach nicht auf, ihre Mannschaft lautstark zu unterstützen. Wahnsinn, wahrscheinlich die beste Stimmung, die ich in meinen bisher 35 besuchten Paarungen in England erleben durfte. Die Mannschaft kämpfte ebenfalls bis zum bitteren Ende. Ein schneller Treffer, dann ist alles wieder drin. Aber es sollte einfach nicht sein: In der 91. sowie 94. Minute machte Chelsea den Sack zu – 5:1 Endstand. Unabhängig vom Ergebnis war das ein irre spannendes Spiel mit wirklich beeindruckender Stimmung in einem der schönsten Stadien, die ich bisher in England besucht habe. Auch mit Tom, der uns dankenswerterweise die Karten besorgte, verstanden wir uns super. Er war hochkonzentriert aufs Spiel fokusiert und nahm sich dennoch immer mal wieder die Zeit, mir ein paar Dinge über das Stadion, den Stadtteil und vor allem den Verein zu erzählen. Leider fehlte uns die Zeit für einen gemeinsames Pub Beusch, da meine Reisegruppe und ich zuvor noch bei Leyton Orient waren.
        Tom, ich werde wieder kommen. A beer is on me mate (hd)