FK Partizani – AF Elbasani – 2:2
„LÄNDERPUNKT ALBANIEN? ZUM KOTZEN!“
31.01.2026
Kategoria Superiore
Kompleksi Partizani
Zuschauer: 1.000
TIRANA – Wer mich kennt, der weiß, dass ich so 4-5 Monate meines Lebens in Nordmazedonien verbracht habe. Das liegt an Verwandtschaftsverhältnissen mütterlicherseits. 1994 als kleiner Schüler war ich das erste Mal im Land und es folgten noch zwei, drei Sommerferien als Kind sowie einige Wochen Aufenthalt ab dem 23. Lebensjahr. Trotz der geografischen Nähe zum Nachbarland Albanien war es mir nie vergönnt, den Sprung über die Grenze anzutreten. Immer wenn ich das Thema ansprach, fielen meiner Verwandtschaft die Augen aus dem Kopf. Das liegt an der moderaten Feindseligkeit zwischen beiden Ländern und generell an einem Reiseverständnis, das auf Deutsch gesagt nicht so wirklich vorhanden ist.
Auch die Fußballspiele in Nordmazedonien kann ich an einer Hand abzählen. Beim vorletzten Mal saß ich beim Derby zwischen Strumica und Štip mit meiner ganzen Sippe auf der Tribüne. Inklusive Baby und meiner Mutter, was für meine einstige Austrägerin nach über 60 Jahren auf dem Buckel den Länderpunkt Nordmazedonien bedeutete. Genug über das Nachbarland schwadroniert, auch wenn mir in Albanien nicht selten bedeutet wurde, dass Mazedonien ja „eigentlich zu Albanien gehört“. Wie sympathisch. Aber Schwamm drüber: Den östlichen Teil um Strumica herum scheint man zumindest nicht annektieren zu wollen. Von daher sollte der Landstrich, in dem meine Mutter geboren wurde, nach den Streitigkeiten mit Griechenland, weiter in nordmazedonischer Hand bleiben.
Um beim Länderpunkt Albanien vorzusorgen, buchte ich auch meine beiden Kinder für diese Reise ein. Mein ältester Sohn ist jetzt auch ein kleiner Schüler und so ein beweglicher Ferientag am Montag Gold wert. Im Schneetreiben ging es direkt nach der Schule zum Schwechheimer Airport, aber vor Ort lief alles glatt. Der erste Teil der 55€-Flüge landete am frühen Abend pünktlich in Tirana. Zusammen mit der Unterkunft, die man für schmale 27€ pro Tag schießen konnte, blieben die Fixkosten für diesen viertägigen Trip bei unter 250€ – für 3 Personen. Damit kann man arbeiten.
Am Samstag ging es schließlich per Taxi zum Stadion von Partizani, das gut außerhalb liegt. „Was soll schon passieren?“, dachte ich mir, als ich mich auf dem Stadionvorplatz noch im Taxi in einer berühmten App für das Spiel „einloggte“. In dem Augenblick deutete der Taxifahrer auf den Rücksitz, wo mein jüngster Sohn eine Mimik mit Mund und Händen formte, die eindeutig war. Also angehalten und ein bisschen gespuckt, was sich zum Glück noch im Rahmen hielt und sicher der Husten-Attacke zuvor geschuldet war. Dasselbe wiederholte sich allerdings kurz vor dem Halbzeitpfiff. Ich war mit den beiden Buben schon überall unterwegs, aber in den Ground kotzen, das war nach hunderten von Spielbesuchen eine Premiere. Natürlich plagte mich das schlechte Gewissen. Länderpunkt Albanien? Zum Kotzen. Aber auch hier ging der Brechreiz wieder mit einem Husten-Anfall einher. Was hätte eine überstürzte Abfahrt schon gebracht? In solchen Situationen muss man erstmal Ruhe bewahren, habe ich in all den Jahren mit den Kindern gelernt. Fünf Minuten Pause auf meinen Oberschenkeln und dann lief der Kleine wieder heiter mit seinem großen Bruder durch die Reihen. Puh.
Zuvor war man nach dem Ticketkauf nicht nur im prallen Gegenlicht gelandet, sondern auch auf der Tribüne, die beiden Fanlagern vorbehalten war. Das ging natürlich gar nicht. Also zum anderen Eingang, den man aber selbst mit Kinderbonus nicht betreten durfte. Zum Glück waren wir in Albanien, denn die Karte wurde am Ticketschalter einfach umgetauscht und auf die 500 Lek kam nochmal dasselbe oben drauf. Für die insgesamt 10€ Eintritt war man selig. Angekommen auf der Haupttribüne, konnte der Sonnenuntergang im Rücken und das herrliche Bergpanorama hinter der Gegenseite genossen werden.
Alles richtig gemacht. Das dachte man sich spätestens, als der Elbasan-Mob in das Stadion einmarschierte. Der Gästeblock pickepackevoll und auch die Haupttribüne bestand mehrheitlich aus Besuchern der Gastmannschaft, die aus ihrer Abneigung gegenüber Partizani keinen Hehl machten. Top! Elbasan permanent auf Zinne und nach rund einer halben Stunde ging der Meisterkandidat sogar in Führung. Da Partizani im Gegenzug zu einer großen Chance kam, die der Elbasani-Torwart per Foul unterband, mussten die Gäste mit 10 Mann weiterspielen. Der Aufregung im Stadion tat diese Entscheidung freilich keinen Abbruch, auch wenn die Heimszene doch kleiner war als vermutet. Aus beiden Lagern flogen 90 Minuten diverse Gegenstände auf den Rasen. Immer weiter ging es, mit einem verschossenen Elfmeter bei Elbasan und dem Ausgleich für Partizani. Wenn es einen Fußballgott gibt, zeigte der sich sehr gnädig für die fast 32 Jahre Wartezeit in Sachen Länderpunkt.
Mit der zweiten Kotz-Aktion des jüngsten deutschen Groundhoppers vor Ort, kühlte irgendwie auch das Spielgeschehen ab. Doch als der Junge wieder munter durch den Ground flitzte, kam das Spiel erneut in Wallung: Partizani gelang in einer Ballbesitz-Phase die Führung. Der Kick hatte noch einen Schockmoment parat: Kurz vor dem Ende kippte ein Heimspieler einfach um. Der Krankenwagen fuhr keine 20 Sekunden später über den Kunstrasen zum Verletzten – nach 5 Minuten ging es Gott sei Dank weiter. Dass Elbasani in der Nachspielzeit noch der Ausgleich gelang, ist eigentlich die Pointe dieser 90 Minuten. Angesichts der permanenten Geschehnisse rund um dieses Spiel, fand der Ausgleich schon fast keine Beachtung mehr. Absolut geiles Spiel, aber ich war auch froh das Ding über die Bühne gebracht zu haben. (mm)














































































































































































































































































































































