„PLAY-OFFS MIT PYRO-GARANTIE“
06.06.2026
Derde Divisie/Play-Off
Stadion de Molenwei
Zuschauer: ca. 1.500
ZWIJNDRECHT – Eigentlich sollte es an diesem Wochenende nach Tschechien gehen. Aber in welche Richtung man den Spielplan auch hielt, irgendwie passten die ausgewählten Partien nicht. Entweder handelte es sich um bereits gekreuzte Grounds oder es wurden Pläne herausgearbeitet, mit viel zu viel Fahrerei und Spielen um die Goldene Ananas. Ein Blick in die andere Himmelsrichtung versprach das krasse Gegenteil. In NRW stand der letzte Spieltag ins Haus und in den Niederlanden die sagenumwobenen Play-Offs. Schnell wurde umgeplant und in mindestens vier Spielen wartete eine Entscheidung in der Aufstiegs- und Meisterschaftsfrage.
Den Anfang machte Blau-Weiß Hollage aus Niedersachsen in der Bezirksliga Weser-Ems. Mit einen 1:1 am Freitag-Abend gelang der Sprung in die Landesliga. Herzlichen Glückwunsch! Über den Regionalliga-Aufstieg von Bergisch Gladbach berichteten wir bereits am Montag. Am Sonnabend sollte es dann in den Großraum Dordrecht gehen. Stilecht wurde vorher das Klapprad in den Kofferraum gefaltet und für den Samstag war klar, dass zwei von vier Mannschaften in unserem Nachbarland einen Aufstieg feiern würden.
Zunächst ging es auf die Anlage der VV Wieldrecht. Der „Europlan“ versprach einen Naturrasenplatz. Ich bekam aber eine neuverlegte Plastikwiese serviert. In dem Play-Off-Match zwischen VVC ’68 aus Halsteren und Neo ’25 aus Waalwijk wurde der letzte Startplatz für die Derde Klasse auf neutralem Platz ausgespielt – es traten zwei Neuntligisten gegeneinander an, um ihr Glück demnächst in der achten Liga zu finden. Nun gut, da kein Eintritt erhoben wurde und am Eingang keine Schlange drohte, drehte ich per Rad erstmal eine Runde durch Dordrecht, um eine halbe Stunde vor dem Anpfiff die „Kantine“ zu testen. Wie gehabt in Holland, gab es in Wieldrecht gute, frittierte Kost für den ganz schmalen Taler in einem luxuriösen Vereinsheimneubau.
Im Regen trabten die Zuschauer anschließend eher schleppend auf den Platz mit der kleinen Tribüne. Auf den ersten Blick ein Kreisliga-Spiel mit ein paar versprenkelten Zuschauern. Doch zum Einlauf der Teams zündeten beide Lager massiv Pyro. Wobei VVC hier mit roten Nebeltöpfen für die bessere Optik sorgte. Insgesamt kamen zu diesem Kick wohl doch 250 Zuschauer zusammen – und die sollten ihr Kommen nicht bereuen.
Nach einem eher zähen Beginn erzielte VVC mit der ersten Chance die Führung. Neo war die talentiertere Mannschaft und schlug mit einem Doppelschlag nach der Pause zurück. Vieles deutete auf einen Sieg für Neo hin, als eine Viertelstunde vor Schluss eine einzige gute Kombination für den erneuten Ausgleich sorgte. Danach spielte nur noch Halsteren. Doch wie es im Fußball so ist: Die angeschlagene Elf aus Waalwijk konnte sich kurz vor Ende der Verlängerung befreien und schob per Konter zum viel umjubelten 3:2-Siegtreffer ein. Spiel, Satz, Sieg für Neo!
Egal was da noch kommen sollte, der Trip hatte sich bereits gelohnt. Das „Hauptspiel“ des Tages in Zwijndrecht war trotz Verlängerung in Dordrecht nicht wirklich gefährdet. Dennoch trudelte ich erst 15 Minuten vor dem Anpfiff im „Sportpark de Molenwei“ ein. Der Ground besticht durch eine große, coole Sitzplatztribüne mit Stehplatz-Terrasse vom Vereinsheim im Oberrang, die an diesem Abend sehr gut gefüllt war. Im Hinspiel pilgerten bereits über 1000 Anhänger nach Dongen, das Duell endete 1:1. Die Zuschauerzahl war schwierig einzuschätzen, vierstellig wird es aber sicher gewesen sein. „Brabant Voetbal“ sprach gar von doppelt so vielen Zuschauern wie im Hinspiel. Es ging um den Aufstieg in die Derde Divisie – die vierte Liga bzw. zweithöchste Amateurklasse.
Heerjansdam – ein Ortsteil von Zwijndrecht, sozusagen der Teil von Dordrecht am anderen Ufer der Alten Maas – konnte in den 1980er-Jahren einige Erfolge feiern. 1989 stand der Verein im Endspiel um die niederländische Amateurmeisterschaft und unterlag dem RC Heemstede um ein einziges Tor nach Hin- und Rückspiel. RCH kickt mittlerweile in der Zehntklassigkeit, während Heerjansdam in diesem Rückspiel den Hut um die Zugehörigkeit in der vierten Liga in den Ring warf. Etwa aus der sportlich besten Zeit von VVH – Ende der 80er – dürfte die massige Tribüne stammen.
Los ging das Spiel mit massivem Raketenbatteriebeschuss hinter den Toren, außerhalb des Stadions. Schade, dass es um 18 Uhr noch so hell war. Auf dem Platz stellte sich schnell heraus, dass die Gäste aus Dongen die etwas feinere Klinge zu bieten hatten. Dennoch fielen keine Tore in der ersten Halbzeit und mit dem Wiederanpfiff gelang dem „Local Hero“ Marvin van der Made nach einer hervorragenden Einzelleistung das 1:0. Jubel und Gepöbel von der Vereinsheimterrasse. So hätte es bleiben können, doch Dongen war das bessere Team. Ein unstrittiger Elfmeter sorgte in der Schlussviertelstunde für den Ausgleich.
Dongen gab weiterhin den Takt vor und als die Nachspielzeit schon recht weit fortgeschritten war, bereitete sich das Stadion auf die Verlängerung vor. Doch dann, die 94. Minute, und Heerjansdam kriegt die Pille nicht aus dem Strafraum. Flanke, am Torwart vorbei und ein eingewechselter Gastspieler grätscht den Ball über die Linie! Oh, man, war das bitter. Gerne hätte ich die Heimelf feiern sehen. Verdient war der Aufstieg für die Jungs aus Dongen allemal, die nur ein paar Dutzend Leute mit ins „Molenwei“ gebracht hatten. Der Gästeanhang ließ es sich nach dem Abpfiff allerdings nicht nehmen, die letzten Pyro-Vorräte vor Ort aufzubrauchen.
Betonen möchte ich an dieser Stelle auch nochmal explizit das absolut faire Verhalten der Gastgeber, nach dem Nackenschlag in der Nachspielzeit. Nicht zuletzt deswegen komme ich gerne wieder zu den Play-Offs mit Pyro-Garantie in unser geliebtes Nachbarland, jenseits von Dollart und Maas. (mm)

























































































































































































































































































































































